Bayern «ohne Angst» ins Camp Nou

Schon bei der Ankunft in Barcelona drehte sich alles um Pep Guardiola. Pep hier, Pep da, Pep überall - das große Champions-League-Duell zwischen der Angriffsmaschine des FC Barcelona und dem verletzungsgeplagten FC Bayern München wird zu einer Kraftprobe mit speziellen Emotionen.

Bayern «ohne Angst» ins Camp Nou
Peter Kneffel Bayern «ohne Angst» ins Camp Nou

Guardiola steht im Halbfinale vor einer besonderen Herausforderung. An Beistand wird es dem Heimkehrer nicht fehlen: Ehefrau Cristina Serra und die drei gemeinsamen Kinder reisten mit in die katalanische Metropole.

Guardiola muss seine eigene Vergangenheit besiegen, jenen Club, der sein Leben als Spieler und Trainer prägte, den er aus dem Effeff kennt. Er tritt gegen Luis Enrique an, seinen früheren Teamkollegen, den Mann, der eine neue Barça-Ära als Trainer prägen will. Ja, Guardiola soll die Barça-Fans leiden lassen, die ihn immer noch verehren, für 14 Titelgewinne unter ihm zwischen 2008 und 2012.

Kann er seine große Liebe besiegen, die «momentan Besten der Welt», wie Guardiola selbst das Team um Weltstar Lionel Messi und den deutschen Torhüter Marc-André ter Stegen rühmte? «Pep wird sich sicher etwas einfallen lassen. Keiner kennt Barcelona besser als er», sagte Bayern Münchens Vereinspräsident Karl Hopfner.

Die Anspanung vor dem Hinspiel am Mittwoch ist auf beiden Seiten groß. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge verzichtete entgegen der sonstigen Gepflogenheiten auf seine übliche Ansprache vor dem Abflug. Zuversicht mussten andere verbreiten. «Wir glauben an uns», verkündete Weltmeister Thomas Müller.

«Es geht um alles», sagte Hopfner. Nach dem 25. Meistertitel und dem verpassten Einzug ins DFB-Pokalendspiel ist das Königsklassen-Finale am 6. Juni das letzte große Saisonziel des deutschen Rekordchampions. «Die Chancen stehen nach wie vor 50:50», sagte Hopfner ungeachtet der Personalprobleme des FC Bayern. Robben, Ribéry, Alaba, Badstuber, Rode - die Ausfallliste ist lang und prominent. «Wir versuchen, ein anständiges Ergebnis zu erzielen», sagte Hopfner. Ein Unentschieden wäre «super». Selbst eine knappe Niederlage wäre kein Drama.

Das größte personelle Fragezeichen wird sich wohl erst kurz vor dem Anpfiff auflösen: Wird Robert Lewandowski nach seinen Brüchen im Gesicht tatsächlich mit einer schützenden Spezialmaske auflaufen? Der Pole gab sich betont furchtlos. «Alles okay», versicherte er. Wenn auch der Arzt grünes Licht gibt, müsste als letzte Instanz Guardiola abwägen, ob er das Risiko mit Lewandowski eingehen soll. Oder ob er Müller in die Spitze beordert, einem gesunden Mario Götze das Vertrauen in einem großen Spiel gibt, das Mittelfeld verdichtet mit Alonso, Schweinsteiger, Lahm und dem Ex-Barça-Profi Thiago.

«Man muss schon ein sicheres Gefühl haben. Du kannst nicht ins Spiel gehen und sagen, wenn die Situation kommt, dann muss ich ein bisschen aufpassen», beschrieb Weltmeister Jérôme Boateng die verzwickte Situation für Lewandowski. Harte Zweikämpfe im Strafraum können im Training nicht simuliert werden, im Wettkampf sind sie programmiert.

«Dass Lewandowski in diesem Spiel unbedingt spielen soll und hoffentlich auch kann, ist Voraussetzung, dass wir mit einer adäquaten Mannschaft auflaufen können», sagte Hopfner zur herausragenden Bedeutung des Torjägers - auch psychologisch.

Joachim Löw freut sich ebenfalls auf ein Champions-League-Fest «auf Augenhöhe» und «zwei fantastische Fußballmannschaften», wie der Bundestrainer der «Bild»-Zeitung sagte. Weltmeisterliche Power wollen die Bayern Barcelonas Wundersturm mit Messi, Neymar und Luis Suárez entgegensetzen, der in dieser Saison bislang 108 Tore erzielte.

«Es kommt auf die ganze Mannschaft an», mahnte Abwehrchef Boateng. «Wir wollen verhindern, dass sie ins Rollen kommen. Denn wenn sie einmal spielen können, dann können sie auch ganz schnell ganz viele Tore schießen.» Immerhin: Gegen Manuel Neuer hat der viermalige Weltfußballer Messi noch nie getroffen; auch nicht im WM-Finale.

Fünf Siege, zwei Unentschieden, eine Niederlage - die Statistik gegen Barça könnte den Bayern Mut machen. Erst zwei Jahre ist es her, dass die späteren Triple-Bayern unter Jupp Heynckes das filigrane Barça-Gebilde in seinen Grundfesten erschütterte, als sie ebenfalls im Halbfinale mit 4:0 in München und 3:0 in Barcelona siegten. «Das war nicht schön, wie wir damals verloren haben. Aber dieses Spiel wird anders», erklärte Messi am Dienstag selbstbewusst. Das 0:3 war die einzige Niederlage, die Barça in den letzten 32 Heimspielen in der Königsklasse hinnehmen musste (bei 25 Siegen).

«Es war ein super Erlebnis, wir haben damals brillant gespielt und die ganze Fußball-Welt zum Staunen gebracht», schwärmte Müller rückblickend von den Gala-Nächten 2013. Vieles bei der Neuauflage der Königsklassen-Giganten aber ist anders: Den Bayern fehlen diesmal Trümpfe wie Robben und Ribéry. Dafür ist Messi diesmal fit und in Bestform, Barcelona demnach Favorit. Na und? «Wir sind der FC Bayern. Wir werden uns nicht verstecken», versprach Weltmeister Müller.

FC Barcelona: ter Stegen - Dani Alves, Piqué, Mascherano, Alba - Busquets - Rakitic, Iniesta - Messi, Suárez, Neymar

FC Bayern München: Neuer - Rafinha, Benatia, Boateng, Bernat - Lahm, Alonso, Schweinsteiger - Müller, Thiago - Lewandowski

Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)