Bayern «traurig» nach Zusammenbruch in Barcelona

Beim Bankett hielten es die von Lionel Messi schwer geschlagenen Meister-Kicker des FC Bayern nicht lange aus. Auch für Trainer Pep Guardiola war es eine schwere Nacht nach dem auch für ihn persönlich sehr schmerzhaften 0:3 (0:0) im Halbfinal-Hinspiel der Champions League.

Bayern «traurig» nach Zusammenbruch in Barcelona
Andreu Dalmau Bayern «traurig» nach Zusammenbruch in Barcelona

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge versuchte, die eigene Mannschaft moralisch aufzurichten. Schließlich gibt es gegen den FC Barcelona noch ein Rückspiel am kommenden Dienstag in München. «Ich bin traurig, nicht wegen dem Ergebnis, sondern einfach, wie das Spiel gelaufen ist», sagte Rummenigge am Mittwochabend um fünf vor Zwölf in seiner Bankett-Ansprache in einem Luxushotel in Barcelona und begründete: «Die Mannschaft hat 77 Minuten heldenhaft gekämpft, gefightet.»

Aber nach dem ersten Treffer des genial aufspielenden Messi erlebte der FC Bayern in der Schlussviertelstunde einen Totalzusammenbruch. Der argentinische Superstar legte sofort das 2:0 nach. Und in der Nachspielzeit schoss Neymar Tor Nummer drei, das den Münchnern fast schon alle Chancen auf den Einzug ins Endspiel am 6. Juni in Berlin raubt. «Wir haben im Endeffekt das Spiel selbst ein bisschen hergeschenkt in fünf Minuten. Und das letzte Tor ist natürlich auch noch mal ein Killer», stöhnte Thomas Müller. «Wir brauchen ein kleines Fußballwunder», ergänzte der Weltmeister mit Blick auf die zweite Partie in München.

Der in «seinem» Camp Nou von seiner ehemaligen Mannschaft schwer besiegte Guardiola war bemüht, Haltung zu bewahren. «Ich möchte aus ganzem Herzen dem FC Barcelona gratulieren», sagte der Katalane, der auch im zweiten Jahr als Bayern-Coach vor einem schweren Halbfinal-K.o. in der Königsklasse steht. Im Vorjahr gab es ein 0:1 und 0:4 gegen den späteren Titelgewinner Real Madrid. Guardiola mochte seiner Mannschaft «keinen Vorwurf machen», ja er sagte angesichts der großen Verletzungsprobleme sogar: «Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Ein großes Lob für meine Mannschaft.»

Die 95 639 Augenzeugen im Stadion huldigten aber einem einzelnen Akteur: Lionel Messi. Der argentinische Weltstar entzauberte seinen Ex-Chef Guardiola und war am Ende auch vom weltbesten Torwart Manuel Neuer nicht aufzuhalten. «Es ist ein großes Vergnügen, ihn zu sehen. Er ist ein Spieler einer ganz anderen Dimension», schwärmte Barcelonas Trainer Luis Enrique über den viermaligen Weltfußballer, der seine Champions-League-Tore 76 und 77 erzielte. Enrique mochte das Halbfinale noch nicht abhaken, aber einmal dachte er schon ans große Endspiel in Berlin gegen den Erzrivalen Real Madrid oder Juventus Turin. «Ich hoffe, dass meine beste Nacht noch kommt.»

Die müsste der FC Bayern in einer Woche haben. «Ich bin eigentlich kein Freund von Durchhalteparolen, weil wenn du 3:0 verlierst, dann sind natürlich die Chancen nicht mehr sehr groß», sagte Rummenigge. Trotzdem erinnerte er an die 6:1-Heimgala gegen den FC Porto, mit der die Münchner im Viertelfinale die 1:3-Auswärtsniederlage in Portugal wettmachen konnten. Vielleicht gelinge «ein Fußball-Wunder».

Erst einer Mannschaft ist es jedoch in 23 Jahren Champions League gelungen, einen Drei-Tore-Rückstand aufzuholen. Deportivo La Coruña wendete am 7. April 2004 im Viertelfinale nach einem 1:4 beim AC Mailand im Rückspiel noch mit einem 4:0-Heimsieg das Blatt.