FC Bayern nach Messi-Gala vor Halbfinal-K.o.

Pep Guardiola stand hilflos in seiner Coaching-Zone und schüttelte den Kopf. Enttäuscht musste der Startrainer mitansehen, wie sein früherer Liebling Lionel Messi dem FC Bayern München fast schon alle Hoffnungen auf das Champions-League-Finale in Berlin nahm.

FC Bayern nach Messi-Gala vor Halbfinal-K.o.
Alberto Estevez FC Bayern nach Messi-Gala vor Halbfinal-K.o.

Nach zwei Toren des Superstars kassierte Guardiola mit dem deutschen Meister in seiner alten Heimat eine ganz bittere 0:3 (0:0)-Niederlage. Damit bedarf es im Halbfinal-Rückspiel am Dienstag schon eines Fußball-Wunders, damit die Münchner doch noch zum sechsten Mal ins Finale der Königsklasse einziehen.

«Wir waren lange gut unterwegs, dann hat Messi wieder sein Talent gezeigt. Er hat schon viele dieser Situationen hervorgerufen, er nutzt seine Chancen», sagte Guardiola und will im Kampf um das Finale am 6. Juni in Berlin aber noch nicht aufgeben: «Es wird schwierig, wir werden es noch versuchen. Es gibt noch 90 Minuten.»

Doch die Chancen sind wohl minimal. «Wir sind an unsere Grenzen gestoßen», sagte Sportvorstand Matthias Sammer, nachdem Messi mit zwei Weltklasse-Aktionen (77./80.) zugeschlagen hatte. Dazu traf Neymar kurz vor dem Schlusspfiff (90.+4). Selbst Manuel Neuer, der die Münchner bis dato mit weltmeisterlichen Paraden auf Kurs gehalten hatte, vermochte bei den unwiderstehlichen Aktionen des Argentiniers die Angriffsmaschine Barcelonas nicht stoppen.

«Wir haben uns dreimal auskontern lassen. Das ist bitter. Wir hatten unsere Chancen, machen es ihnen aber zu einfach. Das darf uns nicht passieren», sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm und Neuer ergänzte: «Wir haben ihnen das erste Tor vorgelegt. Das hat uns verunsichert. Aus diesem Spiel haben wir zum Schluss nichts gelernt. Ein bisschen Hoffnung gibt vielleicht das Spiel gegen Porto.» Im Viertelfinale hatten die Bayern noch ein 1:3 gedreht.

Dabei lief zunächst alles nach Plan. Guardiola, der als letzter der Hauptakteure ins voll besetzte Camp Nou kam, wählte in einem von der ersten Minute an temporeichen Spiel auch keineswegs eine ängstliche Taktik. Die Bayern, bei denen Robert Lewandowski mit einer Spezialmaske auflief, agierten vor 95 000 Zuschauern zunächst mit einer Dreiekette. Sie rückten unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw weit auf und versuchten, den spanischen Tabellenführer früh zu stören.

Ein riskanter Plan, der dem südamerikanischen 108-Tore-Traumsturm Messi, Neymar und Luis Suárez aber auch Räume eröffnete. So war es Weltmeister-Torhüter Neuer zu verdanken, dass die Bayern nicht schon nach zwölf Minuten in Rückstand gerieten, als Suárez alleine auf Neuer zulief. Doch der Bayern-Keeper parierte mit dem rechten Fuß glänzend. Nur drei Minuten später kam Barca zur nächsten Großchance, als Suárez auf Neymar auflegte, dessen Schuss aber Rafinha noch zur Ecke abfälschen konnte.

Guardiola stellte nach der turbulenten Anfangsphase von Dreier- auf Viererkette um, was dem Bayern-Spiel mehr Stabilität gab. Darauf hatte der Coach bei seiner Besetzung im Mittelfeld mit Xabi Alonso und Bastian Schweinsteiger ohnehin Wert gelegt. Mario Götze musste stattdessen auf der Bank Platz nehmen, auch weil Lewandowski trotz seiner Brüche im Gesicht grünes Licht gab. Und der Pole, den die Maske offensichtlich nicht groß einschränkte, hätte seinen Auftritt fast mit einem frühen Tor gekrönt. Nach feinem Zusammenspiel mit Thomas Müller scheiterte Lewandowski freistehend aus fünf Metern, als er den Ball nicht genau traf (18.). Der deutsche Keeper Marc-André ter Stegen wäre chancenlos gewesen. In dieser Szene zeigte sich, dass die Katalanen um den pomadig wirkenden Gerard Piqué anfällig sind.

Viele Chancen von diesem Format blieben den Münchnern aber nicht, denn Barca riss das Spiel mehr und mehr an sich. Im Mittelfeld wirkten sie spritziger und gedankenschneller. Das Fehlen der beiden Superstars Arjen Robben und Franck Ribéry machte sich da bemerkbar. Dazu blieb Ex-Barca-Spieler Thiago blass.

Ausgangspunkt vieler Angriffe der Gastgeber war Messi, gegen den Juan Bernat wenig auszurichten hatte. Der Argentinier war in seinem 100. Europacup-Spiel aber weder mit einem Schlenzer (21.) noch mit einem Freistoß (36.) erfolgreich. Neuer, der von seinen Kollegen häufig eingebunden wurde und mitunter Libero-Qualitäten bewies, war neben Jerome Boateng der große Rückhalt der Münchner. Dazu verdiente sich Müller eine gute Note.

Im zweiten Durchgang schienen die Bayern besser auf die geballte Offensive der Spanier eingestellt zu sein. Dem deutschen Meister gehörte auch die erste Chance mit einem schwach geschossenen Freistoß von Alonso (46.). Als die Münchner das Spiel immer besser in den Griff bekamen, schlug Messi doch noch zweimal zu. Erst ließ er Neuer mit einem Schuss von der Strafraumgrenze keine Chance, dann überwand er den Schlussmann mit einem traumhaften Lupfer. Es waren die ersten Tore des Genius gegen Neuer und seine Champions-League Tore Nummer 76 und 77.