Hamilton unbeeindruckt von Jäger Vettel

Nach der Kampfansage von Sebastian Vettel schnappte sich Lewis Hamilton ganz lässig ein großes Glas Gummibären und griff beherzt zu. Dem Formel-1-Spitzenreiter reichen derzeit kleine Gesten als Beweis für sein Selbstbewusstsein.

«Im Moment glaube ich, dass ich noch besser bin als letztes Jahr», sagte der Titelverteidiger vor dem Großen Preis von Spanien. Vettel will diese These am Sonntag dem nächsten Belastungstest unterziehen. Mit einem runderneuerten Ferrari soll der Angriff auf das Mercedes-Duo Hamilton und Nico Rosberg forciert werden. «Hoffentlich sehen sie bald Rot», sagte Vettel. 28 Punkte liegt der Hesse in der Gesamtwertung hinter Hamilton, nur einen Zähler hinter Rosberg. 

Zweifel säen, Druck aufbauen, das ist das Ziel von Vettel und Ferrari in diesen Wochen. Lässt sich Mercedes auf dem anspruchsvollen Circuit de Catalunya vom jüngsten Leistungssprung des Verfolgers in Fehler treiben, will die Scuderia zuschlagen. «Wir werden alles dafür geben, dass wir bald mindestens auf einer Höhe mit Mercedes stehen», sagte Vettel. 

Es geht jetzt auch um die Psyche, um kleine Nadelstiche, um stetige Signale der eigenen Stärke. «Es ist momentan knapp, aber ich habe das bessere Auto», sagte Rosberg an die Adresse des sichtlich vergnügten Vettel. Weder die ständigen Niederlagen im internen Duell mit Hamilton noch die unbequem näher gerückte Scuderia würden ihn mental belasten, versicherte der WM-Zweite. «Ich denke für mich, dass ich locker bin», sagte Rosberg. 

Die Mercedes-Führung allerdings zeigt sich durchaus beeindruckt vom Aufschwung des Verfolgers. Bei der Stärke des Motors, im Vorjahr das größte Pfund der Silberpfeile, habe Ferrari praktisch gleichgezogen, konstatierte Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda in diesen Tagen. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff warnte vorsorglich schon vor dem Ausbruch eines Technik-Wettrüstens zwischen den beiden Branchengiganten.

Vorjahressieger Hamilton indes lässt das Ballyhoo von Barcelona eher kalt. «Alle reden von diesem Psycho-Zeug, aber der einzige Psychokrieg ist in mir selbst. Du kannst selbst dein schlimmster Feind sein, also kämpfst Du gegen diesen unsichtbaren schlimmsten Gegner», sagte der Brite. Heißt vereinfacht: Hamilton kann sich derzeit nur selbst schlagen. 

Neun der letzten elf Rennen hat der 30-Jährige gewonnen. In dieser Saison stand er jedes Mal auf der Pole Position. «Hamilton fährt außerirdisch. Er kann im Moment Rundenzeiten herausholen, die kein anderer fahren kann», lobte sein Vertrauter Lauda den zweimaligen Champion. «Ich bin glücklicher, als ich es lange Zeit in meinem Beruf war», beteuerte Hamilton selbst. 

Vettel hin, Rosberg her - auch in Barcelona wird dieser Hamilton wohl das Maß der Dinge sein. «Alles andere berührt mich nicht», ließ der Silberpfeil-Star wissen.