Barroso auf Lampedusa mit «Schande»-Rufen empfangen

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ist bei einem Besuch der italienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa von Protesten und «Schande»-Rufen empfangen worden.

Barroso auf Lampedusa mit «Schande»-Rufen empfangen
Franco Lannino Barroso auf Lampedusa mit «Schande»-Rufen empfangen

Dutzende Demonstranten forderten Barroso und Italiens Regierungschef Enrico Letta auf, auch das überfüllte Aufnahmezentrum von Lampedusa zu besuchen, um sich ein Bild von der prekären Lage der Migranten dort zu machen.

Barroso wollte nach der jüngsten Flüchtlingstragödie vor Lampedusa unter anderem mit einigen Überlebenden sprechen. Er war gemeinsam mit EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström auf Einladung Lettas nach Lampedusa gekommen.

Angesichts des starken Flüchtlingsstroms vor allem aus Afrika fühlt sich Italien von seinen europäischen Partnern alleingelassen. Die EU-Innenminister hatten sich zu keiner umfassenden Änderung ihrer Asylpolitik durchringen können. Die Zahl der geborgenen Opfer des Unglücks der vergangenen Woche stieg derweil auf knapp 300.

Schwere Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik haben unterdessen Hilfsorganisationen geübt. Pro Asyl warf in einem Interview des Bayerischen Rundfunks Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und seinen EU-Amtskollegen «völliges Versagen» vor: «Das Sterben auf dem Meer wird weitergehen», sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt. Die Flüchtlingsorganisation Gemeinsam für Afrika kritisierte eine europäische Abschottungsstrategie und sprach von einer «menschenverachtenden Praxis unterlassener Seenothilfe».