Baseball-Märchen aus Kansas - Finale gegen San Francisco

Geschichten wie die der Kansas City Royals lieben sie in Amerika: Das Baseball-Team hatte 29 Jahre lang die Playoffs verpasst. Nun stehen die Royals nach acht Siegen in acht Spielen in der Endspielserie.

Baseball-Märchen aus Kansas - Finale gegen San Francisco
Dave Kaup Baseball-Märchen aus Kansas - Finale gegen San Francisco

Das Team von Trainer Ned Yost hat als erste Mannschaft in der Geschichte die Finalserie der Major League Baseball (MLB) ohne Niederlage erreicht - und auf dem Weg dorthin nicht nur die eigene Anhängerschaft begeistert. In der World Series steht der Verein aus Missouri den San Francisco Giants gegenüber.

«Wir spielen aufregenden Baseball und ich denke, wir haben einige neue Fans in Amerika hinzugewonnen. Die haben sich in unser Team, unsere Athletik und Energie verliebt», sagt Yost stolz. Die Geschichte der «Königlichen» aus Kansas City ist ein Sportmärchen vom Kleinen, der jahrelang belächelt wird und auf einmal die ganz Großen nicht nur ärgert, sondern auch besiegt. Und das mit einer Low-budget-Truppe: Mit ihrem Etat von 92 Millionen Dollar stehen Royals in der Geldrangliste der 30 Teams auf Platz 19 - Spitzenreiter Los Angeles Dodgers gab 235 Millionen aus.

Zudem spielt Kansas City Baseball, wie es ihn schon lange nicht mehr gegeben hat. In der Vorrunde hat keines der 30 Teams weniger Homeruns geschlagen, als KC (95). Die Baltimore Orioles wiesen in dieser Statistik 211 Homeruns auf. Sie scheiterten in der Halbfinal-Serie aber glatt in vier Spielen an Kansas. Auf die immer häufiger gestellte Frage nach dem Grund für den Erfolg antwortet Yost: Schnelligkeit, Defensive, Bullpen (sämtliche Pitcher der Royals). Bessere Waffen gebe es im Baseball nicht.

Die Cinderella-Story ihres Teams entschädigt die Royals-Fans für fast drei Jahrzehnte Frust. Als der Verein 1985 letztmals in den Playoffs spielte, war Ronald Reagan US-Präsident und Michael Jordan stand vor seiner zweiten NBA-Saison. Damals wurden die Royals mit ihrem Star-Pitcher Bret Saberhagen zum ersten und einzigen Mal Meister.

Es folgten etliche Jahre voller Enttäuschungen und Tristesse. In dieser Zeit gab es sogar ein offizielles Teamfoto mit der Aufschrift: «Wer will eigentlich ein Bild von diesem Team?» Seit dem 26. Oktober 1985 haben sie in Kansas City auf Playoff-Baseball warten müssen - die längste Durststrecke im gesamten nordamerikanischen Profisport. Als es am 30. September endlich wieder eine K.o.-Runden-Partie gab, war selbst die örtliche Polizei sofort im Baseball-Bann. Via Twitter wandten sich die Beamten an die Bevölkerung und baten darum, «keine Verbrechen zu begehen und vorsichtig zu fahren» - weil man das Wild Card Game gegen die Oakland Athletics, in dem man sich erst für die eigentlichen Playoffs qualifizieren musste, verfolgen wolle.

In jenem Alles-oder-Nichts-Spiel lagen die Royals zum achten Inning 3:7 hinten, kamen aber zurück uns gewannen nach zwölf Innings 9:8. Schon nach diesem Spektakel waren sich die Fans einig: Die 29 Jahre lange Warterei hat sich gelohnt. «Von da an hat es klick gemacht. Seitdem sind die Jungs immun gegen Druck und glauben einfach an sich», betont Yost.

Anschließend schickten sie die Anaheim Angels und die Baltimore Orioles in die Saisonpause - die Teams mit den meisten Vorrunden-Siegen. Jeder Erfolg wurde von den Fans der knapp eine halbe Millionen Einwohner zählenden Stadt im Norden des Bible Belts bis tief in die Nacht gefeiert. «Wir ändern das Leben in unserer Stadt, wir bringen die Freude zurück», sagt Outfielder Jarrod Dyson. Die Tageszeitung «Kansas City Star» schrieb gar, die Royals hätten «Kansas City's Sport-Identität transformiert».

Der Gegner, die San Francisco Giants, ist 2010 und 2012 Meister geworden. Dennoch gelten die Royals längst als Favorit. Vier Siege fehlen der Überaschungsmannschaft noch, um den ganz großen Coup zu landen. «Es sieht so aus, als wenn in diesem Jahr alles passt. Du weißt nie, wann du es wieder ins Finale schaffst. Deshalb müssen wir unsere Chance nutzen», sagt Dyson. Er ist mit einem Jahresgehalt von 530 000 Dollar einer von 17 der 26 Royals-Profis, die weniger als das MLB-Durchschnittsgehalt von rund vier Millionen Dollar verdienen. Kansas City: kleiner Markt, große Show - und noch größerer Erfolg.