Bayer vor Benfica gewarnt: «Jedes Spiel ein Endspiel»

Bayer Leverkusen steht in der Champions League bereits im zweiten Gruppenspiel gegen Benfica Lissabon mächtig unter Zugzwang.

Bayer vor Benfica gewarnt: «Jedes Spiel ein Endspiel»
Florian Schuh Bayer vor Benfica gewarnt: «Jedes Spiel ein Endspiel»

«In dieser Gruppe ist wirklich jedes Spiel ein Endspiel», sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler vor der Partie gegen den 25-maligen portugiesischen Meister und gab selbst zu: «Wir stehen unter Druck». Schließlich patzte der Werksclub im Auftaktspiel der Königsklasse bei AS Monaco (0:1).

«Wir haben ein Heimspiel und wollen uns wieder eine gute Ausgangsposition schaffen», sagte Leverkusens Cheftrainer Roger Schmidt, für den aber eine Niederlage auch nicht aller Tage Abend bedeuten würde: «Wenn wir gewinnen ist alles offen, wenn wir verlieren haben wir aber immer noch eine Chance, weiterzukommen.»

Allerdings hat Bayer 04 zuletzt nur eines von fünf Pflichtspielen gewonnen. «Ich würde mir mehr Sorgen machen, wenn wir nicht gut spielen würden und es nicht schaffen, unsere Spielweise umzusetzen und eine gewisse Dominanz zu schaffen», erklärte Schmidt. «Trotz der nicht gewonnenen Spiele können wir positiv nach vorne schauen, weil eine klare Struktur im Spiel ist.»

Deshalb will er auch gegen den Europa-League-Finalisten von 2013 und 2014 keine Abstriche von der Strategie aus Balleroberung und Gegenpressing machen. «Grundsätzlich wollen wir immer unser Spiel machen und auch gegen Benfica Bayer-04-Fußball spielen», kündigte Schmidt unbeirrt selbstbewusst an. «Wir werden es nicht neu für die Champions League erfinden, sondern sind sehr sicher bei dem, was wir machen.»

Vor zwei Jahren war jedoch im Sechzehntelfinale der Europa League für Bayer Endstation gegen Benfica. «Sie waren in den letzten Jahren zweimal im Europa-League-Endspiel und wissen, wie man Schlachten schlägt und enge Spiele gewinnt», urteilte Schmidt. Die Portugiesen hatten ebenso wie der Fußball-Bundesligadritte das erste Spiel der Gruppe C zu Hause gegen Zenit St. Petersburg (0:2) verloren.

«Es ist kein Geheimnis, dass Lissabon einen ordentlichen Fußball spielen kann», befand Bayer-Torwart Bernd Leno. «Es wird ein offenes Spiel auf Messers Schneide.» Vor ihm in der Viererkette wird wieder der zuletzt angeschlagene Abwehrchef Ömer Toprak stehen. «Er wird dabei sein», erklärte Schmidt. Offen ist noch, ob Sebastian Boenisch nach einer Schleimbeutelentzündung auf der linken Seite verteidigen kann. Fehlen wird weiterhin Mittelfeldakteur Gonzalo Castro.

Bei den Gästen aus Lissabon gab es einen großen personellen Umbruch, aber keinen sportlichen Einbruch: Von zuletzt sechs Ligaspielen gewann Spitzenreiter Benfica fünf. Stars im mit südamerikanischen Profis gespickten Team sind Innenverteidiger und Kapitän Luisão, Spielgestalter und WM-Teilnehmer Enzo Pérez sowie Flügelflitzer Nicolás Gaitán und Torjäger Lima. Im ehemaligen HSV-Spieler Ola John steht auch ein Ex-Bundesligaspieler im Kader.

In Leverkusen muss Benfica-Trainer Jorge Jesus seinen Stammtorwart Artur Moraes durch den 34-jährigen Julio Cesar ersetzen, weil Moraes im Spiel gegen St. Petersburg die Rote Karte sah. Ein Vorteil für das Bayer-Team? «Wir waren zuletzt nicht vom Abschlussglück verfolgt», sagte Schmidt - ein Euphemismus für das Pech der Werkself. Denn in sechs Partien trafen die Leverkusener sieben Mal Latte oder Pfosten. «Wenn der Ball von der Unterkante der Latte wieder rausfliegt, hat das nichts mit der Qualität zu tun», befand der Coach.

Bayer Leverkusen: Leno - Hilbert, Toprak, Spahic, Boenisch - Reinartz, Bender - Bellarabi, Calhanoglu, Son - Kießling

Benfica Lissabon: Julio Cesar - Maxi Pereira, Luisao, Jardel, Eliseu - Samaris - Salvio, Perez, Gaitan, Talisca - Lima

Schiedsrichter: Martin Atkinson (England)