Bayer will Gruppensieg - Rolfes: «Gefährliche Situation»

Für die Bayer-Werkself hätte die Reise ein ruhiger Betriebsausflug mit einer B-Mannschaft werden können. «Das wird es jetzt leider nicht. Es ist ärgerlich, aber das ist abgehakt», sagte Kapitän Simon Rolfes vor der Partie bei Benfica Lissabon.

Bayer will Gruppensieg - Rolfes: «Gefährliche Situation»
Andreas Gebert Bayer will Gruppensieg - Rolfes: «Gefährliche Situation»

Trotz der unnötigen Heimniederlage gegen AS Monaco (0:1) sind die Leverkusener zwar schon für das Achtelfinale qualifiziert, wollen nun aber den wichtigen Gruppensieg schaffen. Als Erster erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, nicht einen der ganz großen Topvereine in der K.o.-Runde zugelost zu bekommen.

Drei Tage nach dem kräftezehrenden Bundesliga-Spitzenspiel beim FC Bayern (0:1) müssen Rolfes und Co. deshalb die Aufgabe noch einmal hochkonzentriert angehen. Sie führen zwar die Gruppe C mit einem Punkt Vorsprung an, könnten bei einem Sieg von Monaco gegen Zenit St. Petersburg jedoch noch vom Club aus dem Fürstentum verdrängt werden.

«Nach einer Niederlage bei den Bayern braucht man nicht in Selbstzweifel verfallen», sagte Bayer-Trainer Roger Schmidt. «Es wird aber keine leichte Aufgabe.» Dies sieht auch der Bayer-Vereinsboss so. «Wir fahren nach Lissabon mit dem guten Gefühl, schon qualifiziert zu sein», sagte Michael Schade, «und werden dennoch hochkonzentriert sein, um den ersten Platz zu erreichen in dieser schwierigen Gruppe.» Benfica sei zwar nicht so stark wie der FC Bayern, aber auch «keine Landkundschaft, sie standen immerhin zweimal nacheinander im Europacup-Finale».

Obwohl der portugiesische Fußball-Meister als Gruppenletzter schon aus dem Europacup ausgeschieden ist, warnte Schmidt eindringlich davor, die Aufgabe zu unterschätzen. «Das hört sich relativ schnell nach Vorteil an», sagte er. «Doch Benfica ist ein Traditionsverein, der oft europäisch spielte. Lissabon will sich nicht sang- und klanglos aus dem europäischen Wettbewerb verabschieden.» Deshalb erwartet der Coach einen «befreit aufspielenden» Gegner.

«Das ist eine gefährliche Situation», mahnte auch Rolfes und forderte: «Wenn wir dem Gegner ein intensives Spiel aufdrängen, könnte es schon sein, dass sie dann nachgeben.» Dazu muss die erste Garde der Bayer-Profis noch einmal 100 Prozent abrufen. «Wir wollen den Sack da zumachen», kündigte Torwart Bernd Leno an.

Allerdings sorgt sich Leverkusens Sportchef Rudi Völler, ob dies so kurz nach dem Kraftakt bei den Bayern gelingt: «Englische Wochen kriegen wir nicht so extrem geregelt wie die Bayern.» Zudem muss Bayer auf einen der Dauerläufer im Team verzichten: Lars Bender. Der Nationalspieler ist von München nach Hause geflogen. Für ihn dürfte Rolfes einspringen. «Wir mussten ihn im Bayern-Spiel nach 62 Minuten auswechseln, als Vorsichtmaßnahme, weil er wieder Schmerzen in der Bauchmuskulatur hatte», erklärte Schmidt. «Das Risiko war zu groß.»

Der Chefcoach will nicht nur Gruppenerster bleiben, um vielleicht einen etwas leichteren Gegner im Achtelfinale zu erwischen. Deshalb packt er seine Spieler an der Ehre. «Als Erster die Gruppenspiele zu beenden, wäre auch eine Auszeichnung für die Mannschaft», sagte er. «Den ersten Platz haben wir uns auch redlich verdient», befand Völler. Dass es damit im K.o.-Spiel einfacher wird, relativierte er etwas: «Auch bei den Zweiten werden starke Gegner sein, aber dann zuerst auswärts antreten zu dürfen, ist ein Vorteil.»