Bayern-Dominanz für Liga kein Problem

Die Dominanz von Bayern München ist für die Bundesliga-Konkurrenz noch kein Problem. Auf längere Sicht fürchtet manch einer jedoch, dass das Fußball-Premiumprodukt dadurch beschädigt werden könnte.

«Wenn auf Dauer feststeht, dass Bayern München Meister wird, ist das, glaube ich, nicht gut für die Liga», sagt etwa der Mainzer Manager Christian Heidel. Hingegen meint Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen: «Die Attraktivität der Liga ist ungebrochen. Die Leute rennen doch in alle Stadien.».

Diese Einschätzung teilt die große Mehrheit der Geschäftsführer, Manager und Trainer der 18 Clubs. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Es schadet der Bundesliga nicht, wenn eine Mannschaft total dominant ist», urteilte Stuttgarts Trainer Huub Stevens. «Das hat es in den vergangenen Jahren in anderen europäischen Ligen schon oft gegeben.»

Auch seinen Freiburger Kollegen Christian Streich stört es nicht, die Münchner einmal mehr vorneweg marschieren zu sehen. Elf Punkte Vorsprung haben sie auf den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg, der am Freitag ihr erster Rückrundengegner sein wird. Gar 30 Zähler liegt Borussia Dortmund als Vorletzter entfernt. «Bayern ist so stark, das ist einfach Fakt», stellt Streich nüchtern fest. «Es ist gut für die Bundesliga, dass so eine Mannschaft dabei ist - auch wenn es für die Zuschauer natürlich nicht immer so spannend ist.»

Nach Meinung von Jos Luhukay sorgen die Bayern keineswegs für Fußball-Ödnis. «Die Mannschaft, der Verein tut der Bundesliga gut, weil es für jedes Team Festtag und Herausforderung zugleich ist, gegen die Münchner zu spielen», sagte Herthas Coach. Ähnlich sieht es Markus Weinzierl. «Die Bayern sind nun mal eine Extraklasse für sich und das Maß aller Dinge. Die anderen Clubs sind gefordert, da Stück für Stück aufzuholen», meinte Augsburgs Cheftrainer.

«Die Bundesliga ist eines der attraktivsten Produkte überhaupt. Alle Mannschaften haben doch die Möglichkeit, sich den Bayern anzunähern», befand Hamburgs Trainer Josef Zinnbauer. «Wir können doch nicht auf die Bayern schimpfen, sondern müssen probieren, genauso gut zu arbeiten.» Die Konkurrenz dürfe die «Ehrfurcht vor den Bayern» nicht zu groß werden lassen», warnte Bremens Geschäftsführer Thomas Eichin.

Kölns Geschäftsführer Sport Jörg Schmadtke zollte dem Liga-Primus von der Isar Respekt für die «erstklassige Arbeit», hält die Meisterfrage für «nahezu geklärt», empfindet die Bundesliga aber dennoch als «total spannend». Jede Mannschaft zwischen Platz zwei und 18 könne jedes Team schlagen. «Das hat die Hinrunde mit vielen überraschenden Ergebnissen gezeigt», betonte Schmadtke. Keine Sorgen um die Attraktivität der Liga macht sich Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL): «Alle Fakten weisen daraufhin, dass die Liga nicht langweiliger wird.»

Ob dies jedoch so bleibt, wenn die Bayern-Überlegenheit über Jahre anhält? Laut Bayer Leverkusens Sportdirektor sind die Münchner zumindest über drei, vier Jahre nicht einzuholen, vor allem, weil ihr Etat für Lizenzspieler im Vergleich zum ersten Verfolger fast das Doppelte betrage. «Dieser Unterschied ist sportlich nicht mehr aufzuholen», argumentierte Rudi Völler im Interview der «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung».

Für Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, besonders desillusioniert durch den Absturz des BVB auf Platz 17, ist eine andauernde Bayern-Dominanz nicht zu verhindern. «In Deutschland gibt es keinen Mitfavoriten mehr. Das ist leider so», meint er. «Da gibt es einen, der gewinnt die Meisterschaft. Und dies wird wohl auch in den nächsten fünf Jahren so bleiben.»

Wäre eine Aufhebung der 50+1-Regel, die die Beteiligungsmöglichkeit von Investoren erhöhen würde, eine Lösung, damit die anderen Ligavereine besser an das große Geld für Spielerkäufe kommen können? «Die Bundesligaclubs können sich das wegen der Fans gar nicht leisten», meinte hingegen Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Der Münchner Coach Pep Guardiola kann dagegen all den Spekulationen über ein Dauerabonnement auf den Titel und einen schon feststehenden Meisterschaftsgewinn in der aktuellen Spielzeit nichts abgewinnen. «Wir haben elf Punkte Vorsprung, das sind drei Spiele», rechnete er vor. «Also müssen wir noch 14 der letzten 17 Spiele gewinnen. 14! Nicht nur eins oder zwei.»