Bayern in Not - Quälende Ausrutscher und Robben-Aus

Nach den Schock-Diagnosen für ihre Offensivstars haben die niedergestreckten Bayern eine Woche vor dem Champions-League-Gipfel gegen Pep Guardiolas langjährige Liebe FC Barcelona weitaus mehr als nur den grotesken Elfmeter-K.o. gegen Borussia Dortmund wegzustecken.

Bayern in Not - Quälende Ausrutscher und Robben-Aus
Andreas Gebert Bayern in Not - Quälende Ausrutscher und Robben-Aus

Arjen Robben humpelte nach seinem bitteren Saisonaus an Krücken aus der Arena, Robert Lewandowski musste wegen seiner schmerzhaften Brüche im Gesicht noch in der Nacht in die Klinik. Triple adé, erneut große Personalsorgen und ein erschüttertes Mia-san-Mia-Gefühl: Nach dem Scheitern im Pokal-Halbfinale gegen den BVB auf der Jürgen-Klopp-Abschiedstournee muss Guardiola in den Tagen bis zu seinem bislang größten Bayern-Spiel schwierige Aufbauarbeit leisten und knifflige Aufstellungsfragen lösen.

Für Robben, der beim 1:3 nach Elfmeterschießen gegen die Borussia gerade sein Comeback nach über fünf Wochen gab, ist die Saison nach einem Muskelbündelriss in der Wade vorzeitig beendet. Lewandowski brach sich Oberkiefer und Nasenbein, erlitt dazu eine Gehirnerschütterung und muss mit Blick auf seine nächsten Einsatzchancen weiter untersucht werden. «Schlimmer geht's nimmer», kommentierte der Fußball-Rekordmeister die bitteren Botschaften.

Bloß nicht in Schockstarre verharren, lautet die Devise. «Wir müssen uns jetzt schütteln und nächsten Mittwoch in Barcelona mit neuem Elan, mit neuem Spirit auf den Platz gehen», forderte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem kuriosesten Bayern-Elfmeterschießen. Dass aus dem Schütteln kein Beben wird, hängt auch von der Art und Weise des Halbfinal-Auftritts in Spanien und eine Woche später in München gegen Lionel Messi, Neymar & Co. ab. Nach den neuesten Ausfällen haben die Bayern kaum Offensivpower entgegenzusetzen.

«Wir werden uns die Tage mit dem Pokalaus beschäftigten, aber dann muss irgendwann der Blick wieder nach vorne gehen», sagte Kapitän Philipp Lahm, während lautstarkes Siegesgegröle aus der BVB-Kabine schallte. Beim Showdown auf das Tor, das vor drei Jahren beim «Finale dahoam» gegen Chelsea schon einmal Endstation im Elfmeterschießen war, scheiterte Lahm ebenso wie Xabi Alonso, Mario Götze und Manuel Neuer. Zweimal kurios ausgerutscht, einmal gehalten, einmal Latte.

«Wir brauchen nicht zu jammern, es geht weiter», erklärte Lahm und ergänzte fast schon trotzig. «Wir haben noch eine Chance ins Finale nach Berlin zu kommen - und die wollen wir nutzen.» Statt am 30. Mai, wenn der BVB den scheidenden Klopp mit dem «Pott» verabschieden will, soll nun das Königsklassen-Endspiel am 6. Juni zur noch größeren Bayern-Bühne werden.

Natürlich haderten die schwer verwundeten Münchner auch mit Peter Gagelmann. Der Schiedsrichter, der 2012 in Berlin auch die Münchner Final-Demütigung beim 2:5 gegen Dortmund geleitet hatte, übersah nach der Pause einen Handelfmeter für den Meister. «Es tut mir leid, es war für mich im Spiel nicht so zu sehen», gestand der zerknirschte Schiedsrichter wenige Wochen vor seinem Karriereende. Auch die Vollkontakt-Rettungstat von BVB-Keeper und Elfmeterheld Mitch Langerak gegen Bayern-Torschütze Lewandowski in der Verlängerung, bei der sich der Pole so schwer verletzte, sorgte für Diskussionen.

«Vielleicht ist es auch besser für die Bundesliga, dass das Kapitel Gagelmann erledigt ist», erklärte Rummenigge und spottete. «75 000 haben in der einen entscheidenden Szene alles gesehen. Wenn der eine das dann nicht sieht, dann kann ich ihm einen Optiker empfehlen.»

Weniger gefasst reagierte Guardiola mit wütender Miene am Spielfeldrand. Der Katalane musste mühevoll zurückgehalten werden. Allerdings hätten die Münchner - Gagelmann hin oder her - die Dortmunder nie mehr zurück ins Spiel kommen lassen dürfen. Wie auch beim monumentalen 6:1-Champions-League-Erfolg gegen den FC Porto nach dem Treffer der Portugiesen zum 1:5 wackelte Guardiolas mitunter fragiles Bayern-Bauwerk urplötzlich auch gegen Dortmund.

Hohn gab es nicht nur für Gagelmann, sondern auch für die auf dem Weg in das vierte Finale in Serie geschlagenen Münchner. «Dass sie jetzt die Schuld beim Schiedsrichter suchen, ist ein bisschen Banane», stichelte BVB-Routinier Sebastian Kehl. Nach einem «Höllenspiel» lebt «nicht nur mein Traum, sondern der Traum aller Borussen», wie Klopp betonte. «Wir wollen den Pott endlich wieder nach Hause holen», erklärte Marco Reus, beflügelt durch den Coup im Cup.

Dagegen gehen die Münchner auf den letzten Saison-Kilometern und vor dem Knaller gegen Barcelona, das fast zeitgleich zur Bayern-Pleite in Spaniens Liga mit 6:0 über den FC Getafe hinwegfegte, auf dem Zahnfleisch. Dass Thiago (leichte Prellung) nach seiner Auswechslung Entwarnung gab, konnte keinen Münchner wirklich trösten.

«Ein katastrophaler Abend», schimpfte Thomas Müller, dessen Auswechslung gegen Schweinsteiger (76.) verwundert hatte. Insgesamt hatte sich Guardiola mit seinen Wechseln verspekuliert. Nach nur 16 Minuten hockte der eingewechselte Robben wieder auf dem Rasen. Frustriert hielt sich der Niederländer auf dem Weg in die Kabine eine Hand vor das Gesicht, verharrte für einen Moment: Das war sinnbildlich für einen leidensreichen Bayern-Abend.