Bayern ohne Druck in Manchester

Der große Druck ist raus, trotzdem betrachten die Fußball-Profis des FC Bayern ihren Kurz-Trip auf die Insel nicht als lustigen Betriebsausflug.

Bayern ohne Druck in Manchester
Andreas Gebert Bayern ohne Druck in Manchester

«Wir können den ersten Platz nicht mehr verlieren. Aber wir fahren dahin, um guten Fußball zu spielen», verkündete Weltmeister Thomas Müller, bevor er in München den Charterflieger nach Manchester bestieg. «Champions League ist immer toll», betonte auch Torhüter Manuel Neuer vor dem vorletzten Vorrundenspiel an diesem Dienstagabend bei Manchester City.

Bayern-Coach Pep Guardiola hat nach dem im Rekordtempo gesicherten Gruppensieg und dem schon gelösten Achtelfinalticket im Etihad Stadium trotzdem beim Personal die freie Auswahl. Er könnte die Luxussituation nutzen, einige Stars schonen und dafür Akteuren aus der zweiten Reihe wie Sebastian Rode, Xherdan Shaqiri oder Pierre-Emile Hojbjerg eine Chance geben.

Das Gerüst um Geburtstagskind und Leitfigur Xabi Alonso, der am Spieltag 33 Jahre alt wird, dürfte dennoch erhalten bleiben. «Der Trainer wird nicht abschenken, das ist sicher», sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, der die Reise nach England so entspannt wie selten antreten konnte: «Es gab sicher Spiele, da ist man mit etwas zittrigen Knien hingefahren. Das ist jetzt etwas anderes.» Um eine Million Euro Siegprämie und wertvolle Punkte im UEFA-Ranking geht es in erster Linie - und um eine reizvolle Bestmarke. «Unser Trainer ist sehr ehrgeizig», sagte Rummenigge zur Aussicht, als erster deutscher Club eine Gruppenphase mit dem Optimum von sechs Siegen zu absolvieren. Dieses Kunststück gelang überhaupt erst fünf Vereinen in der Champions-League-Historie.

«Wir werden ein seriöses Spiel machen», versprach Arjen Robben, der selbst zum Ende des extrem strapaziösen WM-Jahres immer noch heiß auf jede Partie ist, erst recht in der Königsklasse: «Ich fühle mich superstark, physisch bin ich super drauf.» Guardiola dürfte aber zumindest - anders als beim 4:0 gegen Hoffenheim - eine etwas defensivere Aufstellung wählen. Der angeschlagene Abwehrspieler Jérôme Boateng (Oberschenkelprellung) meldete sich nach dem Abschlusstraining, das noch in München stattfand, einsatzbereit: «Bei mir ist alles gut.»

Eine Total-Rotation scheidet wegen der vielen verletzten Stars wie Lahm, Thiago, Martínez, Alaba oder Badstuber aus, Rummenigge kommt die Überlegenheit des FC Bayern in der Liga und Europa insofern «fast einem Wunder gleich». Glücklich sind darum alle, dass Bastian Schweinsteiger zurück ist, auch wenn ein Einsatz von Anfang an wohl noch zu früh kommt. «Er muss langsam herangeführt werden», erklärte Sportvorstand Matthias Sammer.

«Ich bin erst am Anfang», hatte Schweinsteiger nach seinem umjubelten Kurz-Comeback gegen Hoffenheim betont. Weitere wertvolle Minuten sollen aber in Manchester dazukommen, wo der 30-Jährige vor knapp acht Monaten sein letztes Champions-League-Tor erzielte: beim 1:1 der Bayern im Viertelfinale gegen Citys Lokalrivalen Manchester United.

Für ManCity ist die Partie ein Endspiel. Nach zwei kümmerlichen Punkten ist das Millionärs-Ensemble Letzter in Gruppe E und muss punkten, um den AS Rom oder ZSKA Moskau (beide 4) doch noch im Kampf um das zweite Achtelfinal-Ticket überflügeln zu können. «Sie stehen mit dem Rücken zur Wand», bemerkte Rummenigge. Im Mittelfeld muss Trainer Manuel Pellegrini auf die gesperrten Yaya Touré und Fernandinho verzichten, ein Handicap. Dennoch warnte Boateng, der vor seinem Wechsel nach München für ManCity spielte: «Das ist trotzdem noch der englische Meister!»

Manchester City: Hart - Zabaleta, Kompany, Demichelis, Clichy - Navas, Fernando, Lampard, Nasri - Jovetic, Agüero

FC Bayern München: Neuer - Benatia, Boateng, Dante - Rafinha, Xabi Alonso, Bernat - Robben, Götze, Ribéry - Lewandowski

Schiedsrichter: Pavel Královec (Tschechien)