Bayern vor CL-Kunststück - Robben: «Etwas Besonderes»

Eine berauschende Tor-Gala wie in Rom erwartet der FC Bayern nicht, aber der Gruppensieg im Rekordtempo soll her.

Bayern vor CL-Kunststück - Robben: «Etwas Besonderes»
Andreas Gebert Bayern vor CL-Kunststück - Robben: «Etwas Besonderes»

«Solch eine magische Nacht, in der beinahe jeder Schuss ein Treffer ist, wird es gegen die Roma wahrscheinlich nicht noch einmal geben. Wir wollen am Mittwoch dennoch den Sack zumachen», betonte Karl-Heinz Rummenigge. Der in Höchstform spielende Arjen Robben fieberte gut 24 Stunden vor dem Anpfiff schon einem bayerischen Königsklassen-Kunststück entgegen. «Wenn wir gewinnen, dann sind wir Gruppenerster nach vier Spielen - das ist natürlich etwas ganz Besonderes», erklärte Robben.

Robben («einfach Vollgas das Spiel angehen») sah in seinen Trainingsklamotten am Dienstag so aus, als hätte er am liebsten gleich gegen den AS Rom los gelegt. Vorstandschef Rummenigge erinnerte im Vorfeld der Partie an diesem Mittwoch indes noch einmal an «die Torlawine» beim 7:1 vor zwei Wochen und einen «Abend für die Ewigkeit, der ganz Fußball-Europa erstaunt hat». Man dürfe sich nun eine «historische Chance nicht entgehen lassen», erklärte Rummenigge und zielte damit auf den Gruppensieg schon nach dem vierten Spieltag ab. Das glückte dem deutschen Rekordmeister bei seinen zwölf Gruppenerfolgen noch nie; wie keiner deutschen Mannschaft.

Die 17. K.o.-Runde bei der 18. Teilnahme lockt die Münchner, für das Achtelfinale reicht schon ein Punkt. «Wir haben die große Gelegenheit, diese Gruppenphase vor unseren Fans zu beenden», erklärte Trainer Pep Guardiola, der nach der Pressekonferenz ein paar Minütchen später zum Abschlusstraining kam. Der spanische Starcoach warnte vor den im Hinspiel gedemütigten Italienern. «Ich glaube, dass die Spieler der Römer Stolz haben. Sie wollen nicht noch einmal so etwas erleben wie in Rom.» Der ehemalige Roma-Spieler Medhi Benatia warnte. «Den Unterschied von 7:1 gibt es nicht zwischen diesen beiden Vereinen», sagte der Marokkaner. So ein «super Abend» passiere nur alle paar Jahre, ergänzte Robben.

Mit dem Schwung aus nunmehr 15 Pflichtspielen ohne Niederlage wirken die Münchner dieser Tage aber dennoch schier unbezwingbar. «Unschlagbar ist so ein Wort», sinnierte David Alaba. «Aber sicherlich ist es nicht einfach, uns zu schlagen, wenn wir einen guten Tag haben.» Ein Anreiz, jedes Spiel zu gewinnen, sei es natürlich schon, gestand der Österreicher. Das gelang den Münchnern, zum sechsten Mal mit drei Dreiern in die Königsklasse gestartet, in der Gruppenphase noch nicht. Anders als der AC Mailand, Paris Saint-Germain, Spartak Moskau, der FC Barcelona und Real Madrid fuhren die Bayern noch nie sechs Siege in sechs Begegnungen ein.

«Das Wichtigste ist, dass es gegen Rom einen Sieg gibt. Alle erwarten wieder ein Torfestival, aber das ist gefährliche», mahnte Verteidiger Jérome Boateng. «Das Hinspiel war perfekt, ein irres Spiel. Jetzt wird es schwerer», prognostizierte Juan Bernat zwei Wochen nach dem höchsten Auswärtssieg der Münchner im Europapokal. Wie Manuel Neuer, Philipp Lahm und David Alaba war Dauerbrenner Bernat in allen 16 Pflichtspielen der Münchner in dieser Saison dabei.

Nachdem die Bayern nur eins ihrer vergangenen 13 Gruppenspiele verloren - 2:3 gegen Manchester City in der Vorsaison, als sie schon als Gruppensieger feststanden - spricht eigentlich alles für den nächsten Erfolg des Club-Weltmeisters. Und auch die Italien-Bilanz verheißt Gutes für den FCB: Zuhause verloren die Münchner nur eines der letzten sieben Europapokal-Spiele gegen Teams aus Italien.

Trotz der Schmach im Hinspiel ist der AS Rom mit vier Punkten hinter den Münchnern (9), aber noch vor Manchester City (2) und Moskau (1) der Bayern-Verfolger Nummer 1. «Man kann nicht davon ausgehen, dass eine Partie wie die gegen Bayern keine Spuren hinterlässt», erklärte allerdings Roms Sportdirektor Walter Sabatini. «Es ist eine sehr heikle Phase, alle müssen sich dazu ihre Gedanken machen und noch mehr geben.» Nach dem enttäuschenden 0:2 in der Liga gegen den SSC Neapel forderte Trainer Rudi Garcia von seiner Mannschaft mehr Persönlichkeit und eine Reaktion gegen Bayern.

Rom hat allerdings personelle Probleme in der Abwehr: Der Brasilianer Maicon wird nach einer Knieverletzung nicht rechtzeitig fit und verpasst daher nach dem Hinspiel auch das Rückspiel; der zweite Rechtsverteidiger Vasilis Torosidis hat muskuläre Probleme und trainierte zuletzt nicht mit der Mannschaft. Im Notfall müsste wohl Mittelfeldspieler Alessandro Florenzi hinten rechts aushelfen.