Beatles Museum in Halle: Lennons Löffel und Kondome

Ein gelbes U-Boot als Weihnachtskugel, ein Löffel von John Lennon und peinliche Schreibfehler auf einem alten Plattencover: Der Starkult um die Beatles hat fast auf der ganzen Welt Spuren hinterlassen.

Beatles Museum in Halle: Lennons Löffel und Kondome
Peter Endig Beatles Museum in Halle: Lennons Löffel und Kondome

Es gibt Museen in Liverpool, Buenos Aires und - in Halle (Sachsen-Anhalt). Das Beatles Museum in der Stadt an der Saale ist für den leidenschaftlichen Fan der «Pilzköpfe» eine ausgemachte Fundgrube. Vom unbedarften Neuling verlangt das bis unter die Decke mit Souvenirs, Plakaten, Platten und anderen Sammlerstücken vollgestopfte Haus hingegen einiges an Leselust und Geduld. Im kommenden Jahr wird das 50-jährige Bestehen der Sammlung gefeiert.

Rund 8500 Exponate und Archivstücke beherberge das Haus auf drei Etagen, sagt der Museumssprecher Stefan Lorenz. Damit handelt es sich nach seiner Überzeugung um eine der umfangreichsten Sammlungen zum Thema Beatles weltweit. Aber auch in ihrer Geburtsstadt im britischen Liverpool und im argentinischen Buenos Aires wird die Geschichte der «Pilzköpfe» und des Starkults um die Band in großen Ausstellungen gezeigt.

Angefangen habe alles 1964 in Köln, der Partnerstadt von Liverpool, erläutert Lorenz. Der Rheinländer Rainer Moers hortete damals alles, was er über die 1960 gegründete Gruppe finden konnte. Mit wachsender Beliebtheit der vier Ikonen - John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr - wurde auch seine Privatsammlung umfangreicher. Es folgten Wanderausstellungen in rund 25 westdeutschen Städten, 1989 eröffnete Moers schließlich in Köln ein eigenes Museum.

Im Jahr 1999 sei das Museum nach Halle umgezogen - wo die Beatles jedoch nie waren, berichtet Lorenz. Der Grund: In Köln platzte die auf 60 Quadratmeter Fläche begrenzte Schau aus allen Nähten. Nach einer Ausschreibung erhielt Halle den Zuschlag für den neuen Standort. Heute betreibt Moers das Museum gemeinsam mit Stefan Lorenz und Martin Schmidt. Das Haus trage sich selbst, hieß es. Zum Umsatz gibt es keine Angaben.

Von den 1960er Jahren bis heute - keine Phase in der rasanten Entwicklung der populären Band und der späteren Solokarrieren ihrer Mitglieder lässt das Museum aus. «Wir stapeln hier bis unter die Decke», sagt Lorenz mit Blick auf meterhohe Vitrinen. Zu sehen sind etwa abstruse Souvenirs wie an russische Matroschkas erinnernde Holzpuppen mit den Gesichtern der vier Musiker, seltene Fotos und sogar Kondomverpackungen, die mit den Gesichtern der Beatles bedruckt sind.

Ein besonderer Schatz sei ein glänzender Löffel, von dem John Lennon einst aß, so Lorenz. Aber auch die ins Deutsche fehlübersetzte Single «Sie liebt mich» (statt: «Sie liebt dich») habe ihren Wert. Direkt neben ihr hängen unzählige Bravo-Artikel, Poster, Fotos und selbst seltene Kopien der Geburtsurkunden der Musiker an den Wänden. 22 000 Besucher - darunter Schulklassen und Musikexperten aus aller Welt - kommen jedes Jahr in das Museum im Herzen von Halle.

Ungewöhnlich sind solche Fan-Museen nicht, sagt eine Sprecherin des Deutschen Museumsbundes. In Berlin werde etwa das Erbe der US-amerikanischen Punk-Band Ramones gehütet. Im niedersächsischen Lüchow sammle der nach eigenen Angaben dienstälteste Fan der Rolling Stones, Ulli Schröder, alles, was mit dieser britischen Rockgruppe zu tun hat.

Im kommenden Jahr soll das 50. Jubiläum der Sammlung in Halle mit speziellen Gästen und kleinen Überraschungspartys gefeiert werden. Dann sind die «Pilzköpfe» seit knapp 15 Jahren in Halle. «Das ist die Wiedergutmachung dafür, dass Georg Friedrich Händel einst als berühmtester Sohn der Stadt nach England gezogen ist», sagt Lorenz.