Bei Bundestagswahl zeichnet sich höhere Beteiligung ab

Zitterpartie für Koalition und Opposition: Bei der Bundestagswahl zeichnet sich nach letzten Umfragen ein knappes Rennen ab. Auf die Wahlbeteiligung schlägt sich die Spannung bereits nieder.

Bei Bundestagswahl zeichnet sich höhere Beteiligung ab
Christian Charisius Bei Bundestagswahl zeichnet sich höhere Beteiligung ab

Bei der Bundestagswahl zeichnet sich angesichts des erwartet knappen Ausgangs eine höhere Wählerbeteiligung als 2009 ab. Bis 14.00 Uhr gaben 41,4 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimmen ab, wie der Bundeswahlleiter am Sonntagnachmittag in Wiesbaden mitteilte. Bei der letzten Bundestagswahl 2009 lag die Wahlbeteiligung bis 14.00 Uhr bei 36,1 Prozent.

Umfragen zufolge kann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf weitere vier Jahre an der Spitze der Bundesregierung hoffen - mit welchem Partner ist offen. In Umfragen zeichnet sich ein äußerst knappes Rennen ab. Den Demoskopen zufolge gibt es zwischen dem schwarz-gelben Regierungslager und den Oppositionsparteien insgesamt praktisch ein Patt. Allerdings haben SPD und Grüne eine Koalition mit der Linkspartei ausgeschlossen.

61,8 Millionen Wahlberechtigte waren seit 8.00 Uhr aufgerufen, Erst- und Zweitstimme abzugeben. Darunter sind drei Millionen Erstwähler. Die Wahllokale sind bis 18.00 Uhr geöffnet. In Hessen ist gleichzeitig Landtagswahl. Bundeswahlleiter Roderich Egeler rief am Vormittag dazu auf, wählen zu gehen: «Mit Ihrer Stimmabgabe machen Sie von einem wesentlichen Grundrecht unserer Demokratie Gebrauch.»

Als wahrscheinlichste Koalitionsmöglichkeiten im Bund gelten entweder die Fortsetzung von Schwarz-Gelb oder eine große Koalition. Für Rot-Grün dürfte es nicht reichen. Rot-Rot-Grün scheidet aus.

Die FDP muss den Demoskopen zufolge um den Wiedereinzug in den Bundestag zittern, Chancen hat die eurokritische Partei Alternative für Deutschland. Als mitentscheidend für den Ausgang gilt die Wahlbeteiligung, die 2009 bei 70,8 Prozent lag.

Als erster der Spitzenkandidaten gab Peer Steinbrück am Sonntagmorgen in seinem Bonner Wahllokal seine Stimme ab. Er habe gut geschlafen, sagte der SPD-Politiker. Der Wahlkampf habe ihm Spaß gemacht. Die SPD sei in der letzten Zeit in der Lage gewesen, sich deutlich zu profilieren. Das habe ihn gefreut. «Ich hoffe, dass sich das auch im Wahlergebnis widerspiegelt.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ging am Mittag in Berlin in Begleitung ihres Ehemanns Joachim Sauer wählen. Sie kam gegen 13.30 Uhr zu Fuß in das Wahllokal in der Humboldt-Universität im Bezirk Mitte. Die Kanzlerin trug bei sonnigem Herbstwetter eine schwarze Hose und einen braunen Blazer. Sie warf vor den Augen zahlreicher Medienvertreter ihren Stimmzettel in die Wahlurne. Auch Bundespräsident Joachim Gauck wählte am Morgen in Berlin.

Für den Bundestag kandidieren 4451 Bewerber in 299 Wahlkreisen, rund 900 mehr als 2009. 30 Parteien treten dabei mit Landeslisten an, 4 weitere mit Kreiswahlvorschlägen. Jeder Wähler kann zweimal sein Kreuz machen: mit der Erststimme für einen Direktkandidaten und mit der Zweitstimme für eine Parteiliste mit mehreren Kandidaten. Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie stark eine Partei im Bundestag vertreten ist.

Punkt 18.00 Uhr strahlen die TV-Sender ihre Prognosen aus, kurz darauf folgen die ersten Hochrechnungen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird in der Nacht zum Montag erwartet. Voraussichtlich am 9. Oktober stellt der Bundeswahlausschuss dann das endgültige Ergebnis fest. Spätestens am 22. Oktober muss der neu gewählte Bundestag erstmals zusammentreten. In der zweiten Sitzung wählen die Abgeordneten den Bundeskanzler.