Über Barcelona in die USA - Pleiß: «Bereit für die NBA»

Seit dieser Saison spielt Basketball- Nationalspieler Tibor Pleiß für den FC Barcelona. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa spricht der 24-Jährige über Angebote aus der NBA, seine persönliche Entwicklung und den Kontakt zu den Barça-Fußballern.

Über Barcelona in die USA - Pleiß: «Bereit für die NBA»
David Ebener Über Barcelona in die USA - Pleiß: «Bereit für die NBA»

Wie haben Sie die ersten Wochen und Monate bei Barcelona erlebt?

Sehr gut, es ist natürlich ein ganz anderes Level. Es war sehr aufregend, weil es ein Club mit großer Geschichte ist. Barcelona hat ein Team, das jedes Jahr um die Meisterschaft mitspielt, deshalb habe ich mich auch für den Verein entschieden.

In welchen Momenten merkt man die Kultur und Größe dieses Clubs?

Meinen Medizincheck habe ich zum Beispiel in einem Trainingszentrum gemacht, in dem alle Sportarten zusammen sind - Fußball, Hockey, Handball und Basketball. Es ist alles sehr professionell, extrem groß, es gibt nur die neuesten Technologien. Wenn jemand verletzt ist, wird man rundum betreut von Physiotherapeuten, Ärzten, Fußdoktoren oder einem Zahnarzt.

Gibt es Kontakte zu den Fußballstars wie Neymar und Lionel Messi?

Neymar habe ich an meinem ersten Tag beim Medizincheck im Trainingszentrum getroffen, Hockeyspielerinnen, zahlreiche Jugendspieler - es ist alles eine große Familie, die zusammengehört. Als ich alleine im Kraftraum war, kamen ein paar Handballer rein, unter anderem auch Guðjón Valur Sigurðsson, der jahrelang in Deutschland gespielt. Mit ihm habe ich mich auf Deutsch unterhalten, wie es bei ihnen so abläuft. Es ist spannend, die Leute aus anderen Sportarten kennenzulernen.

Im Sommer gab es Angebote der Dallas Mavericks, Miami Heat und Minnesota Timberwolves für Sie, aber Oklahoma City wollte die Rechte an Ihnen nicht abgeben. Wie haben Sie das erlebt?

Ich habe mich natürlich bereit für die NBA gefühlt und gesagt, dass ich dieses Jahr rübergehen würde. Aber Oklahoma hat andere Pläne und möchte mich unbedingt haben, hatte dieses Jahr aber leider keinen Platz für mich. Deshalb haben sie mich nicht an ein anderes Team abgegeben. Ich hoffe, dass ich in der nächsten Zeit dann rübergehen werde. Ich weiß nicht, wann das passiert und werde mich erstmal natürlich voll auf Barcelona konzentrieren.

Was ist das für ein Gefühl: Stolz, weil Oklahoma Sie nicht abgeben wollte, oder ballen Sie ein wenig die Faust in der Tasche, weil man sich sagt: Ich hätte jetzt die Qualität für die NBA?

Ich hätte schon damit gerechnet, jetzt rüberzugehen, weil ich ein sehr gutes Jahr hatte und mich sehr gut entwickelt habe. Ich fühle mich immer noch bereit, aber mich muss mit der Situation leben. Barcelona ist ein absoluter Topclub und nicht das Schlechteste, was man draus machen konnte. Ich bleibe motiviert und werde weiter an mir arbeiten.

Wie lange besitzt Oklahoma die NBA-Rechte an Ihnen?

Ich gehe davon aus, dass sie seit dem letzten Lockout die Rechte lebenslang an mir besitzen.

Wie sehen Sie ihre eigene Situation in Barcelona? Die Konkurrenz mit Ante Tomic und Maciej Lampe ist ziemlich groß.

Das habe ich in den letzten Spielen schon mitbekommen müssen, dass es nicht so ganz einfach wird. Ich muss mich hier durchsetzen, Ante spielt schon länger hier, Lampe seit einem Jahr. Beide kennt der Coach schon etwas länger, da ist es natürlich nicht ganz einfach, sich durchzusetzen. Ich muss jeden Tag alles geben im Training, damit der Coach noch mehr auf mich setzt. Ich glaube, es ist normal, Barcelona ist natürlich schon eine andere Hausnummer.

Was sind Ihre persönlichen Ziele und die Ziele des Clubs in dieser Saison?

Ich will natürlich ins Team reinkommen, meine Spielminuten bekommen und dem Team helfen, das ist mir wichtig. Wir wollen dieses Jahr wieder ACB-Meister und Cupsieger werden, in der Euroleague ins Final Four kommen und dann auch Champion werden. Das wäre eine ganz große Sache, das erstmals nach Patrick Femerling wieder in Barcelona zu schaffen.

Und dann als Krönung der Saison die EM mit der Vorrunde in Deutschland?

Schauen wir mal, aber ich finde es echt klasse, dass die EM in Deutschland stattfindet. Dadurch bekommt der Basketball einen höheren Stellenwert in Deutschland, und das freut mich natürlich sehr.

Nationalspieler Tibor Pleiß (24) begann seine Bundesliga- Karriere in Köln, gewann drei Meisterschaften mit Bamberg und wechselte 2012 in die spanische ACB nach Vitoria. Die NBA-Rechte am 2,18 Meter großen Center besitzen die Oklahoma City Thunder.