Überfalle auf zwei Millionärsfamilien: Täter wohl gefasst

Drei Opfer, zwei spektakuläre Kriminalfälle - und jetzt ein Tatverdächtiger: Ein festgenommener Mann hat nach Überzeugung der Polizei drei brutale Überfälle auf Mitglieder zweier Berliner Millionärsfamilien verübt.

Überfalle auf zwei Millionärsfamilien: Täter wohl gefasst
Patrick Pleul Überfalle auf zwei Millionärsfamilien: Täter wohl gefasst

Der 46-Jährige soll einen Berliner Investmentmanager 2012 in Storkow in Brandenburg entführt und ein Jahr zuvor zwei brutale Überfälle auf Mutter und Tochter einer wohlhabenden Familie verübt haben. Zwei Jahre lang hatte die Sonderkommission «Imker» - benannt nach der auffälligen Maske des Täters - ermittelt.

«Er ist für alle drei Delikte dringend tatverdächtig», sagte der Leiter der Sonderkommission, Siegbert Klapsch, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Potsdam. Der Berliner habe jahrelang in Wäldern rund um die Hauptstadt gelebt, seine blutigen Attacken akribisch vorbereitet und als Einzeltäter gehandelt.

Inzwischen wurde gegen den Mann Haftbefehl vom Amtsgericht Frankfurt/Oder wegen dreifachen versuchen Totschlags und erpresserischen Menschenraubs erlassen. Er hat nach Angaben der Ermittler keine persönliche Beziehung zu seinen Opfern. Er habe sich so vermutlich Geld beschaffen wollen.

Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) bezeichnete die Festnahme als großen Erfolg der Polizei. «Die beharrliche Arbeit der Ermittler in den vergangenen zwei Jahren hat sich ausgezahlt. Jeder, der kriminelle Taten begeht, muss sich im Klaren sein, dass er früher oder später gefasst wird», sagte er.

Der dringende Tatverdacht gegen den Berliner gründe sich auf eine lange Kette von Indizien, was die Beweislage schwierig mache, sagte Klapsch. Ausschlaggebend sei gewesen, dass in beiden Fällen dieselbe Waffe - eine Ceska 75 oder 85 oder der chinesische Nachbau Norinco - verwendet worden sei. Eine Waffe solchen Typs habe der Tatverdächtige auch als vorübergehender Gast in einem Berliner Schützenverein benutzt.

Eine Schlüsselrolle habe auch eine auffällig geblümte Decke im Entführungsfall Storkow gespielt. Diese konnte bis in ein Gewerbegebiet in Berlin verfolgt werden, wo keine 600 Meter entfernt der Mann zeitweise gelebt habe.

Im August 2011 war die Ehefrau der Berliner Unternehmerfamilie Pepper vor ihrem Ferienhaus im brandenburgischen Bad Saarow mit einem Knüppel niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Zwei Monate später schoss ein maskierter Mann auf die Tochter der Familie, die auf einer Koppel mit ihrem Pferd beschäftigt war. Ein Wachmann schützte die junge Frau mit seinem Körper. Er erlitt eine Querschnittslähmung.

Ein Jahr später - am 5. Oktober 2012 - wurde ein damals 51 Jahre alter Berliner Banker aus seiner Villa in Storkow verschleppt. Der maskierte Täter war seinerzeit in das Haus des Opfers eingedrungen, zwang die Frau vor den Augen ihres Kindes, den Mann zu fesseln und ihm Augen und Mund zu verkleben. Der bewaffnete Mann zerrte den Banker aus dem Haus und warf ihn in den See. In einem Kajak zog er sein Opfer zu der Schilf-Insel. Der Entführte konnte sich nach zwei Tagen befreien.

Insgesamt kamen nach Angaben der Polizei 529 Hinweise von Bürgern. 40 Personen galten zwischenzeitlich als tatverdächtig, darunter auch sehr früh der festgenommene Berliner. Der äußerst fitte und durchtrainierte Mann habe schon früher einmal in einem Sumpfgebiet gelebt und sei Kajak gefahren. «Er hat sehr spartanisch gelebt. Wir haben ihn auch beim Flaschensammeln beobachtet», sagte Polizeipräsident Arne Feuring.

Im Oktober 2012 befragte ihn die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) als Zeugen, wobei er zum Teil wahrheitswidrige Angaben machte und sich zum Alibi ausschwieg, hieß es. Seit Januar 2013 gelte er als «Beschuldigter», seit März dieses Jahres sei er observiert worden. Spekulationen, der Mann habe früher der Nationalen Volksarmee der DDR angehört, dementierten die Ermittler. «Er war kein Elitesoldat.»