Queen Elizabeth und Prinz Philip in Bergen-Belsen

Belsen (dpa) - Mit dem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen hat die britische Königin Elizabeth II. ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt.

Queen Elizabeth und Prinz Philip in Bergen-Belsen
Julian Stratenschulte Queen Elizabeth und Prinz Philip in Bergen-Belsen

In der niedersächsischen Gedenkstätte legte die Queen am Freitag einen Kranz für die Opfer des Nationalsozialismus nieder. Außerdem sprach die 89-jährige Monarchin mit Holocaust-Überlebenden sowie mit britischen Veteranen, die an der Befreiung des Lagers vor 70 Jahren beteiligt waren. Nach Angaben der britischen Botschaft war es der persönliche Wunsch der Königin, den Ort zu besuchen.

Es war der erste Besuch der britischen Königin in einem ehemaligen Konzentrationslager überhaupt. Der letzte Programmpunkt stand im Gegensatz zu den Stationen in Berlin und Frankfurt ganz im Zeichen der Stille und des Gedenkens.

Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner empfing die Queen und ihren Mann Prinz Philip am Jüdischen Mahnmal, anschließend führte er das royale Paar zum Gedenkstein für Anne Frank. Einen Augenblick verweilten die Queen und Prinz Philip im Haus der Stille, das Besuchern die Möglichkeit zur Einkehr und Besinnung gibt.

Den Kranz legte die Königin an der Inschriftenwand nieder, die an Opfer aller Nationen erinnert. Im Gespräch mit den Zeitzeugen nahm sich die Queen vergleichsweise viel Zeit und wirkte bewegt. Außerdem ließ sie sich von Schülern eine App demonstrieren, die zeigt, wie das Konzentrationslager einst aussah. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte den Besuch begleitet.

Über 70 000 KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene kamen zwischen 1940 und 1945 in dem Lager in der Lüneburger Heide ums Leben. Unter ihnen war die 15-Jährige Anne Frank, die mit ihren Tagebüchern posthum weltberühmt wurde. Auf dem Gelände stehen keine Baracken oder Wachtürme mehr. Verschiedene Mahnmale erinnern an die Opfer des Nazi-Terrors. Außerdem wurde 2007 ein Dokumentationszentrum eröffnet, in dem Zeitzeugen in Filmen von den Qualen und dem Sterben im Lager berichten.

Der Ort hat eine besondere Bedeutung in der Erinnerungskultur im Vereinten Königreich. Gedenkstättenleiter Wagner hatte vor dem Besuch der Queen gesagt: «Bergen-Belsen gilt in Großbritannien als das Symbol für NS-Verbrechen und den Holocaust.» Britische Kriegsreporter filmten die unvorstellbaren Zustände in dem Lager, in dem bei der Befreiung am 15. April 1945 Tausende Leichen lagen.