Bergungsarbeiten nach MH17-Absturz in Ostukraine unterbrochen

Vier Monate nach dem Absturz der Passagiermaschine MH17 im ostukrainischen Konfliktgebiet Donbass haben Experten weitere Leichenteile geborgen und in die Niederlande geschickt. Die Bergungsarbeiten der Wrackteile mussten allerdings erneut gestoppt werden.

Bergungsarbeiten nach MH17-Absturz in Ostukraine unterbrochen
Robert Ghement Bergungsarbeiten nach MH17-Absturz in Ostukraine unterbrochen

Grund sind die Kämpfe in der Unruheregion, die trotz einer Waffenruhe andauern. Noch immer seien neun Opfer des Absturzes nicht identifiziert, sagte der niederländische Außenminister Bert Koenders Medien zufolge in der ostukrainischen Stadt Charkow.

Vor der Überführung der Leichenteile kündigte er an, dass die Überreste den Angehörigen übergeben werden sollen. «Wir beabsichtigen auch, die Flugzeugtrümmer einzusammeln, die Ermittlungen fortzusetzen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen», sagte der Minister. An diesem Montag wollen die Niederlande erneut der 298 Opfer gedenken, die bei dem Absturz der Boeing-777 am 17. Juli starben.

Eine Untersuchung der Flugzeugtrümmer soll Aufschluss über die Ursache des Absturzes geben. Die malaysische Maschine wurde in dem von prorussischen Separatisten beherrschten Gebiet ersten Ermittlungen zufolge abgeschossen. Unklar ist aber, wer geschossen hat. Da die meisten Opfer Niederländer waren, werden die Ermittlungen dort geleitet.

Die weiteren Bergungsarbeiten hingen von der Sicherheitslage in der Unruheregion ab, sagte Koenders. Die Kämpfe des ukrainischen Militärs gegen prorussische Separatisten erschweren den Zugang zu dem Trümmerfeld. Der Sicherheitsrat in Kiew gab die Zahl der zuletzt bei Gefechten getöteten Soldaten mit drei an. 15 weitere seien verletzt worden.

In dem Konflikt, bei dem seit April mehr als 4000 Menschen starben, wollen sich Russland und die USA friedliche Lösung einsetzen. Das sagte US-Außenminister John Kerry am Samstag in Peking nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. Es gebe unterschiedliche Ansichten über die Lage in der Ukraine, meinte Kerry. «Wir haben uns auf den Austausch von Informationen geeinigt.» Weitere Sanktionen gegen Russland seien jedoch weiterhin möglich. «Russlands Entscheidungen werden bestimmen, ob es Sanktionen gibt», sagte Kerry.

Minister Lawrow betonte, es sei wichtig, dass die ukrainische Führung ihre angekündigten Friedensschritte erfülle. «Die Feuerpause wird leider nicht vollständig beachtet. Es wird wieder geschossen», sagte Lawrow der Agentur Interfax zufolge am Rande des Asien-Pazifik-Gipfels (Apec).

Russland hatte den USA immer wieder vorgeworfen, die Ukraine zu einer militärischen Lösung des Konflikts im Osten des Landes zu drängen. Es sei vor allem nötig, so rasch wie möglich im Unruhegebiet Donbass die Vereinbarung über eine Trennlinie zwischen den Konfliktseiten zu erfüllen, sagte Lawrow. Diese Trennlinie solle helfen, die Waffenruhe besser zu überwachen.

Von der Demarkationslinie aus sollen dann nach einer früheren Einigung jeweils 15 Kilometer in beide Richtungen entmilitarisiert werden. Dadurch entstünde eine 30 Kilometer breite Pufferzone. Auf diese Fläche hatten sich die Vertreter der Ukraine und der prorussischen Separatisten bereits im September bei einem Treffen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk geeinigt.

Zwei Wochen nach dem Sieg prowestlicher Kräfte bei der Parlamentswahl dauerten die Koalitionsverhandlungen in Kiew an. Die Wahlleitung teilte mit, dass nun 100 Prozent der Stimmzettel ausgezählt seien. Erstmals äußerte sich Wahlleiter Michail Ochendowski zur neuen Sitzverteilung in der Obersten Rada, die künftig weniger als die ursprünglichen 450 Abgeordneten hat.

Weil Teile der Ostukraine sowie die im März von Russland annektierte Schwarzmeerhalbinsel Krim an der Abstimmung nicht teilnehmen konnten, bleiben die Plätze frei.

Demnach erhält der Block des prowestlichen Präsidenten Petro Poroschenko in der neuen Obersten Rada 132 Plätze. Die Volksfront von Regierungschef Arseni Jazenjuk bekommt 82 Mandate. Die ebenfalls neue prowestliche Kraft Samopomoschtsch kommt auf 33 und der Oppositionsblock auf 29 Plätze. Die Radikale Partei von Oleg Ljaschko erhält 22 und die Vaterlandspartei von Julia Timoschenko 19 Mandate.

Gewählt wurden auch 96 Abgeordnete, die als unabhängige Kandidaten angetreten waren. Über Direktmandate schaffte zudem die ultranationalistische Partei Swoboda den Einzug ins Parlament - mit sechs Abgeordneten. Mit je einem Mandat sind noch drei weitere Parteien vertreten, darunter der rechtsextreme Rechte Sektor.