Bericht: Wüstenstrom-Initiative droht Abwicklung

Der seit längerem kriselnden Wüstenstrominitiative der deutschen Industrie droht nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» möglicherweise das Aus.

Der Zusammenschluss aus internationalen Konzernen könne sich nicht auf eine Fortführung der Desertec-Industrieinitiative Dii in bisheriger Form einigen, hieß es in dem Bericht (Mittwoch). In Gesellschafterkreisen wurde bestätigt, dass bei der Jahreskonferenz der Initiative am kommenden Montag (13. Oktober) eine Entscheidung über die Zukunft von Dii fallen soll.

Bei der Veranstaltung sollen Finanzierungsfragen auf den Tisch kommen, wie ein Sprecher der Initiative erklärte. «Ich kann der Entscheidung am Montag aber nicht vorgreifen.»

Mit dem vor fünf Jahren unter enormem Aufsehen gestarteten Wüstenstrom-Projekt Desertec sollte Sonnen- und Windkraft in Nordafrika und im Nahen Osten (MENA) produziert und zum Teil auch nach Europa exportiert werden. Zuletzt verlor das Projekt allerdings durch Austritte von Dii-Gesellschaftern zunehmend an Rückhalt. Neben dem Elektrokonzern Siemens kehrten auch der Energieriese Eon und der Dienstleistungs- und Baukonzern Bilfinger der Dii den Rücken.

Erst kürzlich wurde zudem bekannt, dass Dii-Chef Paul van Son die Initiative zum Jahresende verlässt und zum Energiekonzern RWE wechselt, ein Nachfolger ist bisher nicht benannt.

Die Dii selbst sieht dennoch ihren Verdienst darin, Wegbereiter für erneuerbare Energien in der MENA-Region zu sein. Mittlerweile gebe es dort 68 Projekte mit einer Gesamtleistung von vier Gigawatt, die teils auch bereits in Betrieb seien, sagte der Dii-Sprecher.

Laut SZ laufen die Verträge mit den Gesellschaftern zum Jahresende aus. Nur eine rasche und verbindliche Zusage für einen neuen Etat von rund zwei Millionen Euro könne das Überleben der Initiative sichern, doch sei die nicht in Sicht. «Die Wahrscheinlichkeit wächst mit jedem Tag, dass wir die Gesellschaft zum Jahresende in ihrer heutigen Form abwickeln müssen», zitierte die Zeitung einen Insider. «Es gibt bislang keine finanzielle Basis für ihre Fortführung.»

Sollte die Dii tatsächlich abgewickelt werden, könnte ein Plan B greifen, hieß es in dem Bericht weiter. Die Zentrale in München müsste dann schließen, doch könnte die Dii in kleinerer Form als Beratungsunternehmen überleben. Die Geschäfte sollten dann von einer Handvoll Mitarbeiter direkt aus Nordafrika oder dem Nahen Osten fortgeführt werden. Doch nicht einmal das gelte als sicher, ein komplettes Aus des Projekts sei möglich.