Berlin muss Olympia-Traum begraben: Umfragerückstand entschied

Die Entscheidung schmerzt bei Berlins Olympia-Kämpfern. Nicht mit der Hauptstadt, sondern mit Hamburg sollen die Spiele 2024 oder 2028 nach Deutschland zurückkehren.

Berlin muss Olympia-Traum begraben: Umfragerückstand entschied
Soeren Stache Berlin muss Olympia-Traum begraben: Umfragerückstand entschied

«Es ist wie im Leistungssport: Wenn man gut vorbereitet ist, tut eine Niederlage sehr weh», erklärte Bahnradsport-Olympiasieger Robert Bartko zum Aus für Berlin. «Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß. Ich bin ein bisschen platt», beschrieb der Vizepräsident Leistungssport des Landessportbundes Berlin die Stimmung: Man muss die Entscheidung akzeptieren.» Wie schon 1993, als Berlin immerhin noch ins internationale Rennen gekommen war.

«Unser einmütiger Vorschlag lautet Hamburg», sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann am Montagabend in Frankfurt/Main und fügte hinzu: «Hamburg bietet ein faszinierendes und kompaktes Olympia-Konzept.» Doch nicht das Gesamtpaket, mit dem Berlin ins Olympia-Rennen gehen wollte, entschied nach Meinung der Berliner Protagonisten die Auswahl. «Mit Berlin als weltweit beliebte und weltoffene Metropole hätte eine deutsche Bewerbung für die Spiele in 2024 oder 2028 international hervorragende Aussichten gehabt», betonte nochmals Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller.

Es habe nicht gereicht, sich mit Berlins Stärken im Vergleich zu den Umfragerückständen durchzusetzen, sagte Sport- und Innensenator Frank Henkel. «Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es in Berlin eine Zustimmung von 55 Prozent gab und in Hamburg 64 Prozent. Diese 55 Prozent in der Umfrage sind ein ehrliches Ergebnis, ein gutes Ergebnis auch, auf dem sich aufbauen lässt. Die Damen und Herren vom DOSB haben das offenbar etwas kritischer gesehen als wir.»

Damit ging der DOSB auf Nummer sicher. Auch wenn Berlin der international renommiertere Kandidat gewesen wäre, sind mit Hamburg die Chancen bei der Volksbefragung im September wohl größer. DOSB-Hörmann sprach von einem «prägenden Element» bei der Beurteilung beider Bewerbungen. «Dass jetzt offensichtlich eine Umfrage so eine große Rolle spielt jenseits der anderen Kriterien, zum Beispiel auch der Erfahrung als Sportstadt und der Internationalität, das bedaure ich natürlich», sagte Müller.

«Leider ist es uns nicht gelungen, mit den vielen Stärken unserer Stadt den Umfragerückstand gegenüber Hamburg auszugleichen», meinte Henkel. Auch die Spitzensportverbände hatten sich in einem geheimen Votum mit 18:11 für Berlin ausgesprochen, während vier Verbände beide Städte unterstützten. Aspekte wie internationale Erfahrung, zum Großteil vorhandene Sportanlagen, Infrastruktur oder Hotelbetten traten in den Hintergrund.

«Uns ist eine große Chance entgangen, ein Konjunkturprogramm für den Sport, die Wirtschaft und die ganze Stadt auf die Beine zu bringen», sagte Kaweh Niroomand, der sich als Manager der Berlin Volleys und Vertreter der Berliner Profivereine für Berlins Bewerbung eingesetzt hatte. «Das ist sehr, sehr schade für Berlin! Ich kann die Entscheidung eigentlich nicht nachvollziehen. Nichts gegen Hamburg, aber aus meiner Sicht hätte nur die deutsche Hauptstadt weltweit eine Chance gehabt, das Rennen um die Olympischen Spiele für Deutschland zu entscheiden», bemerkte Fabian Lustenberger, Kapitän des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC.

Klaus Böger sieht in dem Votum für Hamburg «eine Entscheidung nach innen». Sie spiegele «die Kapitulation vor Ängsten in der Bevölkerung wider bezüglich der Fehlentwicklung im internationalen Sport. Wir hätten uns gewünscht, dass der deutsche Sport solchen Fehlentwicklungen offensiver und entschlossener entgegengetreten wäre. Dann wäre auch die Volksbefragung keine Hürde gewesen», meinte der Präsident des Landessportbundes Berlin.