Israel und Deutschland: Ein denkbar schwieriges Verhältnis

Deutschlands erster Botschafter in Israel, Rolf Friedemann Pauls, musste in seinen ersten Wochen noch vom israelischen Geheimdienst beschützt werden.

Israel und Deutschland: Ein denkbar schwieriges Verhältnis
Israel und Deutschland: Ein denkbar schwieriges Verhältnis

Zu frisch waren 1965 die Erinnerungen an die Ermordung von sechs Millionen Juden durch Nazi-Deutschland, zu groß die Empörung vieler Israelis über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu dem «Monster». Dass der Botschafter im Zweiten Weltkrieg Offizier der Wehrmacht war, machte ihm die Aufgabe nicht leichter.

Als Pauls Israels damaligem Präsidenten sein Beglaubigungsschreiben überreichte, kam es in Jerusalem zu wütenden Protesten. Es gab «Nazis raus»-Rufe, es flogen auch Steine. Einer der Demonstranten von damals ist heute selbst Israels Staatsoberhaupt - Reuven Rivlin. Am kommenden Dienstag (12. Mai) jähren sich die schwierigen Beziehungen zum 50. Mal.

Und Rivlin kommt auf Einladung von Bundespräsident Joachim Gauck nach Berlin - eine bemerkenswerte Wende in der deutsch-israelischen Geschichte. «Das wohl Erstaunlichste an der umfassenden ökonomischen, politischen und sicherheitspolitischen Kooperation zwischen Israel und Deutschland ist sein krasser Gegensatz zur dunklen Geschichte des jüdischen Volkes in diesem Land», schrieb Rivlin in einem Beitrag für die «Jüdische Allgemeine» (Donnerstag).

An die Aufnahme diplomatischer Beziehungen hatten beide Seiten sich ganz vorsichtig herangetastet. Seit 1952 gab es ein Abkommen zur «Wiedergutmachung». Bei der Unterzeichnung verzichtete man jedoch noch auf einen Händedruck. Im März 1960 trafen sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und Israels Staatsgründer David Ben-Gurion dann zum ersten Mal - im Hotel «Waldorf-Astoria» im fernen New York.

Den entscheidenden Schritt unternahm jedoch erst Adenauers Nachfolger Ludwig Erhardt (ebenfalls CDU) im Frühjahr 1965. Den Weg dahin ebneten auch jahrelange geheime Waffenlieferungen aus Deutschland an Israel.

Ein halbes Jahrhundert später bleibt das Verhältnis belastet. Der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, beschreibt es angesichts des Zivilisationsbruchs Holocaust als «eine der schwierigsten Beziehungen, die es zwischen Staaten überhaupt geben kann». Israels ehemaliger Botschafter in Berlin, Schimon Stein, meint sogar, die Aussöhnung zwischen Deutschen und Israelis käme einem «Wunder» gleich.

Die vielen Jubiläumsfeiern hier und dort spiegeln die Bandbreite und Tiefe der Beziehungen zwischen beiden Ländern im Bereich der Kunst und Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft wider. Deutschland ist heute Israels wichtigster Verbündeter in Europa. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) - auf hebräisch «Ha-Kanzlerit» - wird hoch geschätzt.

Die in Deutschland umstrittenen Waffenlieferungen an Israel - demnächst wird wohl das fünfte von sechs U-Booten ausgeliefert - werden im jüdischen Staat als Zeichen der deutschen Verpflichtung gegenüber Israels Sicherheit gesehen. Merkel hatte bei einer Rede im israelischen Parlament im März 2008 Deutschlands historische Verantwortung für die Judenverfolgung als «Teil der Staatsräson meines Landes» beschrieben. Präsident Gauck sagte, es gebe keine deutsche Identität ohne Auschwitz.

In Deutschland wird die israelische Regierungspolitik jedoch zunehmend negativ gesehen - vor allem der fortwährende Siedlungsausbau in den Palästinensergebieten. Es gibt Forderungen nach einem Kurswechsel der deutschen Israel-Politik, sollte sich die neue Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahus von der Zwei-Staaten-Lösung verabschieden. Im Wahlkampf hatte sich Netanjahu gegen einen Palästinenserstaat ausgesprochen.

Trotz aller Schwierigkeiten ist aber auch eine neue Offenheit in den deutsch-israelischen Beziehungen zu beobachten - vor allem auf persönlicher Ebene. In Berlin leben nach Schätzungen inzwischen bis zu 30 000 Israelis, vor allem junge Leute.

Dies wird zu Hause allerdings auch kritisch gesehen. Der israelische Journalist Ofer Aderet von der Zeitung «Haaretz», der selbst rund zwei Jahre in Berlin war, macht sich über den Berlin-Hype seiner Landsleute lustig. «Berlin ist wirklich nicht das Paradies, für das viele Israelis es heute halten.»