Berlin und Athen reden wieder miteinander

Der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), hat die Regierung in Athen zum Dialog aufgerufen.

Berlin und Athen reden wieder miteinander
Rainer Jensen Berlin und Athen reden wieder miteinander

Offenbar beginne auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras zu verstehen, dass es weder ihm noch seinem Land helfe, die Partner in der Eurozone zu provozieren und einen «Kopf-durch-die-Wand-Stil» anzuwenden, sagte Weber der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf den Antrittsbesuch des griechischen Regierungschefs in Berlin.

Das Gespräch zwischen Tsipras und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vom Vortag wertete Weber als «atmosphärisch wichtigen Schritt für die kommenden Gespräche zur Zukunft Griechenlands». 

Ein weiteres Gespräch Merkels mit Tsipras am Montagabend über die Lage in Griechenland und die Beziehungen in der EU dauerte fast fünf Stunden. «Die Bundeskanzlerin und der griechische Ministerpräsident hatten in guter und -konstruktiver Atmosphäre eine umfassende Aussprache über die Situation -Griechenlands, die Arbeitsweise der Europäischen Union und die künftige deutsch--griechische Zusammenarbeit», teilte Regierungssprecher Steffen Seibert im Anschluss mit.

Nach wochenlangem Schlagabtausch zwischen Berlin und Athen hatte Tsipras Deutschland eine neue Form der Zusammenarbeit angeboten. «Es gibt keinen anderen Weg als den des Dialogs, um bestehende Schwierigkeiten zu überwinden», sagte er. Zugleich versprach der linke Regierungschef, dass Griechenland Vereinbarungen einhalten werde. Er forderte aber andere Prioritäten. «Wir brauchen einen neuen politischen Mix.»

Tsipras äußerte sich in Berlin weder zu seiner angekündigten Reformliste noch zu den aktuellen Liquiditätsproblemen Athens. Dem hoch verschuldeten Land könnte ohne rasche Hilfen der Geldgeber schon in zwei Wochen der Staatsbankrott drohen. Die Euro-Partner und der IWF haben ausstehende Kredite von 7,2 Milliarden Euro auf Eis gelegt, da Athen bisher nicht alle Reformauflagen erfüllt hat.

Am zweiten Tag seines Antrittsbesuchs kommt Tsipras heute (Dienstag) in Berlin mit Vertretern der Opposition zusammen. Vorgesehen sind Gespräche mit der Vorsitzenden der Linken, Katja Kipping, und Fraktionschef Gregor Gysi sowie mit den beiden Parteivorsitzenden der Grünen, Simone Peter und Cem Özdemir. Auf dem Programm steht auch eine Begegnung mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), die nach Angaben des Auswärtigen Amts aber nicht öffentlich ist.