«Berlin, wir kommen!»: Großes Abschiedsspiel für Klopp

Lautstark wurde Jürgen Klopp mit Sprechchören gefeiert, als er nach Mitternacht als Triumphator die Münchner Arena verließ und zum Dortmunder Mannschaftsbus schritt.

«Berlin, wir kommen!»: Großes Abschiedsspiel für Klopp
Andreas Gebert «Berlin, wir kommen!»: Großes Abschiedsspiel für Klopp

«Das war ein ganz, ganz großer Abend. Ich wollte unbedingt in dieses Finale. Wir haben es erreicht gegen diesen unfassbaren starken Gegner. Das ist geil», schwärmte der 47 Jahre alte Trainer. 2:0 siegte die Borussia in einem verrückten Elfmeterschießen mit vier Münchner Fehlschützen. «Wenn alle Spieler mit ihren Kräften am Ende sind, kommt so ein kurioses Ergebnis zustande», meinte Klopp; 1:1 stand es nach 120 Minuten.

Es war ein Fußball-Abend, der in die Pokal-Historie eingehen wird. Und er bescherte Klopp ein großes Abschiedsspiel mit dem BVB am 30. Mai in Berlin, in dem er sich den Traum von einer finalen Jubelfahrt mit dem «Pott» über den Dortmunder Borsigplatz erfüllen könnte.

«Ich hoffe, dass die Fans mich eben nicht in Berlin verabschieden müssen, sondern dass am nächsten Tag noch was passiert in Dortmund. Das wird aber nur passieren, wenn wir in Berlin auch gewinnen», sagte Klopp. Die eigenen Befindlichkeiten mochte er nach seinem 10. Sieg im 23. und letzten Pflichtspiel mit der Borussia gegen die Bayern gar nicht so sehr in den Mittelpunkt rücken. «Meine Situation? Ist alles cool. Wir sind voll drin», verkündete Klopp kurz und bündig.

In der Tat. Plötzlich könnte eine Katastrophensaison mit einem Titelgewinn doch noch eine andere Gesamtbewertung erfahren. Diesen Stimmungsumschwung lebten auch Klopps Spieler aus. Ausgelassen tanzten die BVB-Akteure um Torhüter Mitch Langerak, den Helden des Spiels, nach dem vierten und letzten verschossenen Bayern-Elfmeter von Manuel Neuer in den schnell übergestreiften gelben T-Shirts mit dem Aufdruck «Berlin, wir kommen!» über den Rasen. «Wenn sie keine Elfmeter schießen können, müssen sie es üben», spottete Sebastian Kehl, der wie Ilkay Gündogan sicher vom Punkt verwandelt hatte.

«Wir wollen den Pott jetzt wieder nach Hause holen», kündigte Marco Reus an, der laute Musik hörend mit Kumpel Pierre-Emerick Aubameyang durch die Stadion-Katakomben schlenderte. Der BVB hatte in einem Spiel, das lange verloren schien, ein erstaunliches Comeback bewerkstelligt. «Bis zur 70. Minute war das Beste, dass wir nur 0:1 hinten lagen», gestand Sportdirektor Michael Zorc.

Klopp hatte seine Mannschaft in der Halbzeitpause energisch aufgefordert, sich zu wehren. «Hier hat die ganze Welt schon verloren. Hier kann man untergehen, das ist Porto passiert. Aber wenn wir untergehen, dann mit fliegenden Fahnen», appellierte er.

Mit der Einwechslung von Henrich Mchitarjan führte der Trainer die bemerkenswerte Wende selbst mit herbei. Der Armenier bereitete auch das 1:1 von Aubameyang (75.) vor. «Wir haben es umgekehrt gemacht wie in London vor zwei Jahren», erinnerte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke an das verlorene Champions-League-Finale 2013, als erst Dortmund besser war und später der glückliche Gewinner Bayern München.

Ohne den überragend haltenden Torhüter Langerak hätte sich die Borussia nach der Gelb-Roten Karte für Kevin Kampl (108. Minute) aber kaum ins Elfmeterschießen gerettet. Der 26 Jahre alte Langerak wehrte unter anderem einen Kopfball von Bastian Schweinsteiger (114.) herausragend ab. Später parierte der Australier auch noch einen Elfmeter von Mario Götze. «Du brauchst in so einem Spiel die großen Momente und eine außergewöhnliche Torwartleistung», lobte Klopp seine eigentliche Nummer 2 hinter Weltmeister Roman Weidenfeller.

«Heute war unser Tag - und für mich auch», erklärte Langerak strahlend. Großes Glück hatte der Pokalheld aber auch, dass sein energischer Einsatz im Zweikampf mit Bayern-Torschütze Robert Lewandowski, der sich dabei Oberkiefer und Nasenbein brach, nicht mit Elfmeter geahndet wurde. «Ich denke, dass ich den Ball berührt habe», sagte Langerak zum Crash mit seinem früheren Teamkollegen.

Die Borussia ist zurück im Kampfmodus. Schon im Liga-Endspurt soll mit aller Macht die Europa League klargemacht werden, das Happy End dann in Berlin gelingen. «Wir haben alle das Ziel, diesen Pokal zu gewinnen. Natürlich für den Trainer, aber auch für uns. Es ist logisch, dass wir diese grandiose Zeit nicht mit Platz zehn und ohne Titel abschließen wollen», verkündete Kapitän Mats Hummels.