AfD steht vor der Spaltung

Der Bundesvorsitzende der AfD, Bernd Lucke, strebt einen Bruch zwischen den radikalen und den bürgerlichen Kräften seiner Partei an.

«Ich glaube nicht, dass Appelle zur Geschlossenheit hier weiterhelfen. Die Grundvorstellungen dieser beiden Gruppen sind unvereinbar», schrieb Lucke in einer E-Mail, die am Montag an alle Mitglieder der Alternative für Deutschland ging.

Der Co-Vorsitzende Konrad Adam hatte am Sonntag erklärt, Lucke plane, die zu AfD verlassen und eine neue Partei zu gründen. Lucke wollte dies öffentlich nicht kommentieren. Den Mitgliedern teilte er mit: «An diesem Gerücht ist lediglich wahr, dass ich mir große Sorgen um die AfD mache.»

Antikapitalistische, deutschnationale, antiislamische und zuwanderungsfeindliche Kräfte hätten dem Ansehen der AfD zuletzt stark geschadet, schrieb Lucke. Ein seriöses Image sei aber nicht nur wichtig für Parteimitglieder, die mitten im Beruf stünden und in ihrem Freundeskreis nicht schief angesehen werden wollten. Die Entwicklung sei auch ein Grund dafür, dass sich einige potenzielle AfD-Wähler in Hamburg und Bremen wieder der FDP zugewandt hätten.

Die zweite Co-Vorsitzende, die sächsische AfD-Chefin Frauke Petry, wollte sich an den Spekulationen über eine mögliche Abspaltung des Lucke-Flügels nicht beteiligen. Auch sie wollte ein Auseinanderbrechen der jungen Partei aber nicht völlig ausschließen. Sie sagte dem MDR: «Letztlich kann man nur auf Grundlage von Inhalten sich verständigen, ob man gemeinsam geht oder nicht. Das müssen wir schleunigst machen.»

Im April hatte bereits Luckes liberaler Mitstreiter Hans-Olaf Henkel den AfD-Vorstand verlassen. Der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie hatte mehrfach vor einem Rechtsruck der Partei gewarnt.

Lucke hatte in der vergangenen Woche den Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke aufgefordert, die Partei zu verlassen. Höcke, der dem rechten Flügel der AfD zugerechnet wird, hatte zuvor in einem Interview erklärt, man könne nicht jedes einzelne NPD-Mitglied als «extremistisch» einstufen. Für diese Äußerung war Höcke auch von einigen anderen Mitgliedern des rechten Parteiflügels kritisiert worden. Petry sagte dem MDR: «Björn Höcke muss ganz klar sagen, wo er steht.»

Die AfD will auf ihrem Bundesparteitag in Kassel Mitte Juni einen neuen Parteivorstand wählen. Lucke hat zwar gute Chancen, zum Vorsitzenden gewählt zu werden. Es ist jedoch zu erwarten, dass auch einige seiner Kritiker und Widersacher dem neuen Vorstand angehören werden.