Bahn und GDL suchen weiter Annäherung

Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft GDL bemühen sich auch nach dem Beginn des neunten Lokführerstreiks weiter um eine Annäherung in ihrem Tarifkonflikt.

Bahn und GDL suchen weiter Annäherung
Bernd von Jutrczenka Bahn und GDL suchen weiter Annäherung

«Die derzeitige Situation ist, dass wir mit der Bahn in Hintergrundgesprächen sind. Die sind vertraulich, und mehr gibt's dazu aktuell nicht zu sagen», sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky heute im Fernsehsender n-tv. Auch eine Bahnsprecherin verwies auf die vereinbarte Vertraulichkeit.

Gestern hatten in Frankfurt Gespräche beider Seiten unter Mitwirkung des Arbeitsrechtlers Klaus Bepler begonnen. Es sollte ausgelotet werden, unter welchen Bedingungen ein Schlichtungsverfahren in Gang gesetzt werden kann.

Weselsky blieb bei seiner Haltung, dass ein Schlichtungsverfahren erst dann möglich sei, wenn die Bahn akzeptiere, dass die GDL eigenständige Tarifverträge für alle ihre Mitglieder abschließen dürfe. «Wenn es uns gelingt, das in die entsprechende Form zu gießen, dann kann es auch in eine Schlichtung gehen», sagte Weselsky. Er fügte aber hinzu: «Ich erwarte nicht, dass wir über Nacht den Tarifvertrag fertig haben.»

Zuvor waren die Lokführer der Deutschen Bahn in der Nacht auch im Personenverkehr wieder in den Streik getreten. Die Bahn bestätigte, der Ausstand habe wie geplant um 2.00 Uhr begonnen. «Es ist losgegangen», sagte eine Bahnsprecherin.

Wann der Streik enden wird, hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) diesmal offen gelassen. Bereits am Dienstagnachmittag hatten die Lokführer der Güterzüge die Arbeit niedergelegt. Es ist der neunte Streik in diesem Tarifkonflikt seit Anfang September.

Für Millionen Bahnfahrgäste bedeutet der Arbeitskampf starke Einschränkungen. So werden voraussichtlich etwa zwei Drittel der Fernzüge ausfallen und je nach Region 40 bis 85 Prozent der Nahverkehrszüge. Auch die S-Bahnen sind vom Streik betroffen. Die Bahn hat Ersatzfahrpläne für den Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr veröffentlicht. Sie sind nach Angaben der Bahn verlässlich.

Sollten sich Bahn und GDL nicht zuvor am Verhandlungstisch wieder näher kommen, soll der Streik «etwas länger» dauern als Anfang Mai, hatte GDL-Chef Weselsky angekündigt. Damals waren es knapp sechs Tage. Nun soll der Ausstand nach Ankündigungen der GDL über die Pfingstfeiertage andauern.

Nach Informationen der «Bild»-Zeitung soll der Deutsche Beamtenbund keine finanzielle Unterstützung für die GDL leisten. Grund sei, dass die GDL diesmal keinen entsprechenden Antrag gestellt habe.

Über einen Vermittlungsversuch gab es zunächst keine näheren Informationen. Bahn und GDL loteten bei einem Treffen in Frankfurt die rechtlichen Bedingungen einer möglichen Schlichtung aus. Als unabhängige Instanz nahm der frühere Bundesarbeitsrichter Klaus Bepler teil. «Es ist Vertraulichkeit verabredet worden», sagte eine Bahn-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Die Gespräche sollten «kurzfristig fortgesetzt» werden.

Der Vorsitzende des Dachbverbands dbb-Beamtenbund, Klaus Dauderstädt, verteidigte den Streik. «Wir stehen hinter den Zielen der GDL», sagte er der «Nordwest-Zeitung». «Wenn man am Verhandlungstisch nicht weiterkommt, gehören immer zwei Seiten dazu.» Die Deutsche Bahn AG habe nicht genug dafür getan, schnell zu einer Einigung zu kommen.

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann kritisierte den GDL-Chef indes erneut: Weselsky wolle augenscheinlich das Gesetz über die Tarifeinheit abwarten, «um dann im Zusammenhang mit dem schwelenden Konflikt gegen das Gesetz klagen zu können», sagte er dem «Tagesspiegel». Er instrumentalisiere die Beschäftigten und die Kunden der Bahn gegen das Gesetz. «Das geht zu weit, um es vorsichtig zu sagen», sagte Hoffmann.

Wirtschaftsverbände wiesen auf drohende Probleme durch den Ausstand hin. «Die Ankündigung eines unbefristeten Bahnstreiks ist pures Gift für das Krisenmanagement der Unternehmen», klagte der Bereichsleiter Gunnar Gburek vom Logistik-Bundesverband BME. Die Chemieindustrie - einer der wichtigsten Güterkunden der Bahn - überdenkt ihre Logistikkonzepte.