Berliner Philharmoniker: Tauziehen um Wahl des Chefdirigenten

Die Berliner Philharmoniker haben auch nach fast elfstündigen Beratungen am Montag noch keinen neuen Chefdirigenten präsentiert. Die Ankündigung, wer 2018 Nachfolger von Sir Simon Rattle werden soll, wurde immer wieder verschoben.

Das Orchester war um 10 Uhr in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem hinter verschlossenen Türen zur Wahl des neuen Chefs zusammengekommen.

Die 124 Mitglieder der Orchesterversammlung müssten mehrere Wahlgänge absolvieren, sagte eine Sprecherin lediglich. Die Bekanntgabe des neuen Chefs des Spitzenorchesters war zunächst für 14 Uhr angekündigt worden, verzögerte sich jedoch immer weiter. Gegen 21 Uhr war unklar, ob es überhaupt noch zu einer Bekanntgabe kommen würde. Der Posten gilt als der wichtigste in der Welt der klassischen Musik.

Wie viele Stimmen Rattles Nachfolger benötigt, war unklar. Dazu hatte eine Orchestersprecherin zuvor nur von einer «deutlichen Mehrheit» gesprochen.

Im Gespräch für die Position waren unter anderen die Dirigenten Andris Nelsons, Gustavo Dudamel, Christian Thielemann und Daniel Barenboim. Rattle ist seit 2002 im Amt. 2017 tritt er als Chefdirigent des London Symphony Orchestra an und will dann ein Jahr lang pendeln.

Eine starke Strömung innerhalb des Orchesters favorisiert Thielemann, den Chefdirigenten der Staatskapelle Dresden. Der gebürtige Berliner gilt als Konservativer mit einem starken Hang zum romantischen deutschen Repertoire und zu Komponisten wie Richard Wagner, Johannes Brahms und Richard Strauss. Dagegen gilt der 36-jährige Nelsons, Chef des Boston Symphony Orchestra, als experimentierfreudiger Erneuerer.

Dutzende Journalisten sowie Kamerateams warteten am Montag auf die Bekanntgabe. Der Ort war zunächst geheim gehalten worden. Das Gotteshaus dient seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wegen seiner guten Akustik auch als Aufnahmestudio für die Philharmoniker.