Das Ende der Ära Blatter: Der FIFA-Herrscher gibt auf

Joseph Blatter hat nur vier Tage nach seiner erneuten Wiederwahl völlig überraschend seinen Rücktritt als Präsident des Fußball-Weltverbandes angekündigt.

Das Ende der Ära Blatter: Der FIFA-Herrscher gibt auf
Ennio Leanza Das Ende der Ära Blatter: Der FIFA-Herrscher gibt auf

Der 79 Jahre alte Schweizer verkündete diese zu diesem Zeitpunkt unerwartete Entscheidung am Dienstag am Hauptsitz der FIFA in Zürich. «Obwohl ich ein Mandat von den FIFA-Mitgliedern habe, glaube ich nicht, dass ich ein Mandat von der gesamten Fußballwelt habe», sagte Blatter in einer vorbereiteten Rede bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. «Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlichen Wahl-Kongress niederzulegen.»

Bis zu dieser Wahl wird Blatter sein Amt, das er 1998 übernommen hat, weiter ausüben. Der Sonderkongress soll zwischen Dezember 2015 und März 2016 stattfinden, kündigte Domenico Scala, Chef der FIFA-Compliance-Kommission an. Die FIFA-Statuten sehen vor, dass mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig sind. Der nächste reguläre FIFA-Kongress ist erst für den 12. und 13. Mai 2016 in Mexiko-Stadt vorgesehen. «Dies wurde eine unnötige Verzögerung bedeuten», erklärte Blatter.

UEFA-Präsident Michel Platini, der Blatter einen Tag vor dessen erneuter Wahl noch den Rücktritt nahegelegt hatte, begrüßte Blatters Entscheidung: «Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung, und die richtige Entscheidung», erklärte der Franzose in einer schriftlichen Stellungnahme. «Das ist die Entscheidung, die absolut richtig ist, die überfällig ist», sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. «Dies ist ein guter Tag für den Weltfußball», meinte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Zusammen mit Scala will Blatter in den noch verbleibenden Monaten an der Spitze grundlegende Veränderungen durchführen. Nach den nicht enden wollenden Korruptionsvorwürfen, die am Dienstag auch noch Blatters Generalsektretär Jérôme Valcke erreichten, kündigte Blatter eine «tief verwurzelte strukturelle Veränderung» an.

«Im Exekutivkomitee sind Vertreter von Verbänden, über die wir keine Kontrolle ausüben, aber für deren Handlungen die FIFA verantwortlich gemacht wird.» Blatter will das Exko, dem auch DFB-Präsident Niersbach seit Freitag gehört, verkleinern. Die Mitglieder sollten zudem durch den FIFA-Kongress gewählt werden und nicht durch Entsendung der Kontinentalverbände ihren Platz bekommen.