Favre: Mit Geduld in die Königsklasse

Lucien Favre hatte es eilig. Doch einige freundliche Sätze ließ der ehemalige Berliner und jetzige Gladbacher Coach doch noch in der Hauptstadt zurück.

Favre: Mit Geduld in die Königsklasse
Oliver Mehlis Favre: Mit Geduld in die Königsklasse

«Wir brauchten Geduld, und wir hatten Geduld und wurden belohnt», erklärte der Schweizer, bevor er mit seinen Borussen zurück an den Niederrhein flog. Favre meinte das Spiel seiner «Fohlen» bei Hertha BSC - 2:1 hieß es zum Abschluss des 31. Bundesliga-Spieltages für die überlegenen Gäste. Doch «Geduld haben» steht auch für Favres Fußball-Philosophie.

Seit Februar 2011 leitet Lucien Favre die Geschicke in Mönchengladbach - mit tollem Ertrag. Vierter, Achter, Sechster - und jetzt als Dritter klar auf Kurs direkte Qualifikation für die Champions League. «Gladbach ist eine Topmannschaft», lobte Pal Dardai, einst bei Hertha Spieler unter Favre, jetzt Berlins Interimscoach. Favre wehrte sich mit einem Lächeln gegen zu zeitige Lobeshymnen: «Wir müssen jetzt von Spiel zu Spiel schauen.» Am kommenden Samstag kann sein Team (60 Punkte) im Platz-drei-Duell mit Bayer (58) den entscheidenden Schritt tun.

«Hertha war sehr kompakt, hat sehr gut verteidigt. Es war schwer, eine Lücke zu finden», analysierte Favre in seiner Aufgabe als Borussen-Coach seine jüngste Berlin-Rückkehr. «Es war schwer, aber verdient. Wir hatten 72 Prozent Ballbesitz, haben das Spiel kontrolliert. Aber auch Hertha kann das Tor machen.»

So kennt man den inzwischen 57-Jährigen noch aus seiner Zeit in Berlin, als er 2009 die Hertha fast in die europäische Königsklasse geführt hatte: Immer vorsichtig, nie mit Überschwang. Wenige Monate später hatten Hertha und Favre nach zwei Jahren die Geduld miteinander verloren. Zum Glück für Gladbach.

Zwei Ab- und Aufstiege später will Hertha den erneuten Absturz in Liga zwei unbedingt verhindern. «Wir hatten vier Matchbälle, jetzt haben wir noch drei», sagte Dardai. Max Kruse und der ehemalige Hertha-Nachwuchsspieler Ibrahima Traoré verhinderten mit ihren Toren für Gladbach Herthas vorzeitige Rettung. «Wir müssen das akzeptieren, der Gegner war einen Tick besser», bemerkte der Hertha-Coach.

Vier Punkte Vorsprung hat der Hauptstadtclub noch auf Relegationsrang 16. «Zittern sollen die Fans nicht, einmal müssen wir noch gewinnen», betonte Dardai. Der eine Treffer durch Valentin Stocker vor 56 881 Zuschauern reichte dafür gegen Gladbach nicht. «Zwei Tore sind zwei zu viel aus Torwartsicht. Wenn das entscheidende Tor gegen uns kurz vor Schluss fällt, ist es umso bitterer. Den Punkt hätten wir verdient für den großen Aufwand», meinte Hertha-Torwart Thomas Kraft.