Hitzige Debatte um Griechenland in Europas Zeitungen

Der Gipfel-Marathon zur Griechenland-Krise beschäftigt die europäische Presselandschaft. Noch vor der Einigung der Staats- und Regierungschefs der Euroländer in Brüssel kommentieren die Zeitungen vor allem die Rolle Deutschlands in den Verhandlungen.

«De Telegraaf» (Niederlande): «Europa ist eigentlich nur ein Sammelsurium von Autoscootern, die alle ihren eigenen Plan haben. Wir fahren von einem Beinahe-Unfall zum nächsten und die Beulen werden ad hoc repariert, wenn sie entstehen.»

«Guardian» (Großbritannien): (Finanzminister Wolfgang Schäuble) «ist seit langem der führende Hardliner der Eurozone und hat oft Statements vor der Tür als Bühne für seine bissigen und vernichtenden Kommentare zu Griechenland genutzt. Diesmal hatten seine Vorhersagen einen noch schärferen, hoffnungsloseren Ton. (...) Schäuble ist oft spitzbübisch. Diesmal scherzte er nicht.»

«Dennik N» (Slowakei): «Es ist interessant, wie sehr der mentale Zustand der Griechen an Russland erinnert. Auch Putin und Co. sichern sich ihre Popularität damit, dass sie Nationalismus und nationale Komplexe schüren und das Gefühl ewiger Bedrohung und Ungerechtigkeit.»

«Le Figaro» (Frankreich): «Der Kampf um Griechenland hat die Existenz von zwei Europas ergeben, die völlig unterschiedlichen Logiken folgen. Das eine ist Deutsch, buchhalterisch, kompromisslos. Das andere ist Französisch, politisch, umgänglich.»

«Irish Independent» (Irland): «Auf der einen Seite des Verhandlungstischs saßen diejenigen, die einfach genug hatten von Syriza. Spanien, Deutschland, die Slowakei und Finnland waren bereit, Griechenland ziehen zu lassen, dem von einem Grexit ausgelösten Sturm auszuhalten und die Tür für mindestens ein paar Jahre zuzuschlagen. (...) Vielleicht sind die wichtigsten Akteure in Verhandlungen, diejenigen, die einen kühlen Kopf bewahren und einen neutralen Standpunkt einnehmen.»

«La Vanguardia» (Spanien): «Die griechische Krise stellt den Zusammenhalt der deutsch-französischen Achse, des europäischen Motors also, sowie auch die Beziehungen zwischen Deutschland und der USA auf die Probe.»

«Corriere della Sera» (Italien): Anders als die Engländer, die Italiener oder die Griechen selbst, fürchten die Deutschen mehr als alles andere das Risiko. Das Schlüsselwort heißt "Sicherheit". Sie haben ein System entwickelt, in dem die Regeln eine Absicherung gegen Risiken sind. (...) Damit das klappt, muss man sich vertrauen. Die Steuern müssen bezahlt, die Normen respektiert, die Schulden zurückbezahlt werden. Für Frau Merkel ist es unmöglich - vor allem mit ihrem Finanzminister Schäuble im Gepäck - im Ausland etwas einzuräumen, was in der Heimat verboten ist.»

«Berlingske» (Dänemark): «Die Krise Griechenlands hat die klassischen Kritiker-Länder wie die Niederlande, Finnland, die Slowakei und das Baltikum ernsthaft auf den Kriegspfad gebracht. Zuletzt haben sie von Deutschland Wind in die Segel bekommen, wo besonders Finanzminister Wolfgang Schäuble immer unerbittlicher in seinen Aussagen über die Griechen wurde, während die sich - über die Rechnungen der Grexit-Befürworter hinwegsehend - zunehmend unvernünftig verhalten haben.»