Internationale Pressestimmen zu Blatters Wiederwahl

GROSSBRITANNIEN: 

«Guardian»: «Blatter hat es überstanden, weil so viele Interessen, nicht nur seine eigenen, an das System gebunden sind, dem er vorsteht. Diese Interessen gehen weit hinaus über Provisionen und Korruption von Einzelnen, so wichtig das auch ist. Zu ihnen gehören nationale Zuschüsse für den Fußball in den Entwicklungsländern, einige von ihnen groß, die Blatters Herrschaft sichern.»

«The Times»: «Wir wissen nicht, ob Prinz Ali bin al-Hussein hätte liefern können, aber wir wissen sicher, dass Sepp Blatter es nicht kann und nicht wird. Der Fußballwelt war in Zürich das Versprechen eines «anbrechenden neuen Tages» angeboten worden an diesem Nachmittag. Stattdessen entschied sie sich dazu, in der Dunkelheit der Herrschaft Sepp Blatters zu bleiben.»

«Telegraph»: «Jetzt wird es darum gehen, ob die Ermittlungen ihn zu Fall bringen können - er war nicht unter den 14, denen diese Woche Bestechung und Betrug vorgeworfen wurde - oder ob die (englische) Football Association und andere UEFA-Mitglieder, die so erbittert gegen ihn sind, Drohungen wahr machen, die Weltmeisterschaft zu boykottieren oder sich ganz aus der FIFA zurück zu ziehen.»

FRANKREICH:

«Le Figaro»: «Jetzt, wo der Skandal zutage gebracht wurde, kann es nicht mehr weitergehen. Doch muss man naiv sein, um zu glauben, dass die FIFA von heute auf morgen ihre Unschuld wieder findet. Das System ist da, fest verankert mit seinen Lügen und seiner Geldgier. Die Reform wird mit oder ohne Blatter Jahre dauern, ebenso lange wie der Kampf gegen Doping im Radsport. Die internationale Justiz, Polizei und die Politik müssen jetzt mitspielen.»

«Le Journal de la Haute-Marne»: «Auf dem Papier hat Joseph Blatter gewonnen. Doch der Präsident der FIFA sitzt auf einem wurmstichigen Stuhl. Er hat keine moralische Autorität mehr.»

SCHWEIZ:

«Tages-Anzeiger»: «Der Konflikt mit dem europäischen Fussballverband Uefa wird an Schärfe zunehmen, es drohen Verhältnisse wie im Boxen: mehrere Verbände, die einander die Legitimation absprechen. Und dazu wartet auf Sepp Blatter die grosse Herausforderung in den USA.»

RUSSLAND:

«Sport Express»: «Der ewige Sepp. Ab und zu möchte zwar jemand anderes FIFA-Präsident werden, aber am Ende gewinnt immer Blatter.»

«Sowjetski Sport»: «Trotz der Skandale, trotz der Kritik, trotz der Festnahmen: Blatter gewann erneut. Dieser Mann scheint unschlagbar.»

«Kommersant»: «Der Krieg ist nicht vorbei. Vor allem UEFA-Chef Michel Platini ist nicht im Begriff, den Konflikt einfach so beizulegen.»

ITALIEN:

«Gazzetta dello Sport»: «Das Gesetz von Blatter: Er gewinnt auch im Schlamm. Sepp V. ist bestätigt. Für den Moment. Prinz Ali zieht sich zurück, die FIFA bleibt in den Händen von Blatter. Aber die Schwierigkeiten haben noch kein Ende.»

«Corriere dello Sport»: «FIFA, die letzte Schande: Sie haben Blatter wiedergewählt.»

«Tuttosport»: «FIFA: Bla Bla Blatter. Der Oberst ist auch im Angesicht der Skandale als Präsident wiedergewählt worden.»

«Corriere della Sera»: «Die FIFA wählt erneut Blatter. Aber Joseph V. bleibt in Bedrängnis. Die Rebellion könnte Europa einen Platz bei der nächsten WM kosten.»

«La Repubblica»: «Blatter ist noch immer der Patron des Fußballs. Weitere vier Jahre an der Macht, Niederlage für die Linie Platinis. Er hat es noch einmal geschafft, gab es daran Zweifel? Aber dieses Mal keine Ovationen. Vorsichtiger Applaus, weil alle wissen, dass es arrangiert ist.»

SPANIEN:

«El País»: «Eine verpasste Chance. Die Wiederwahl von Blatter macht die demokratische Erneuerung des Fußballs zunichte. Eine schlechte Nachricht für den Sport.»

«La Vanguardia»: «Blatter überlebt den Skandal.»

«AS»: «Blatter bezwingt Ali im zweiten Durchgang. Er wird seinen Titel nun gegen das FBI verteidigen.»

«Mundo Deportivo»: «Blatter gewinnt durch K.o. Der klare Sieg gibt ihm Kraft für sein fünftes Mandat in Folge.»

«Sport»: «Blatter bleibt auf dem Thron. Für die Korruptionsfälle wurde ihm keine Rechnung präsentiert.»

«Marca»: «Nichts wird anders. Das Geschäft geht weiter.»

NIEDERLANDE:

«De Volkskrant»: «Europas Alptraum wird wahr. Dem Fußball stehen schwere Zeiten bevor. So sieht es jedenfalls jetzt aus. Die Frage ist unter anderem, was kommt noch mehr aus den Untersuchungen nach Korruption heraus? (...) Dennoch ist ein Austritt eine schlechte Idee. Europa sollte lieber versuchen, die Opposition gegen Blatter anständig zu organisieren und ihn auf reguläre Weise vom Thron zu stossen.»

«De Telegraaf»: «Bombe unter FIFA. Die 209 Fußballländer sprachen dem 79-jährigen Schweizer ihr Vertrauen aus und sind nicht offen für Veränderung und mehr Transparenz. Sie bleiben lieber auf einem holprigen Weg voller Skandale. Damit bekommen sie mit Blatter den Führer, den sie verdienen. ... Beim Start von Blatters fünfter Amtsperiode  befindet sich die FIFA mit allen Skandalen um die Organisation auf dem absoluten Tiefpunkt ihrer 111-jährigen Geschichte.»

BULGARIEN:

«Sega»: «Trotz des gewaltigen Skandals wurde der 79-jährige Sepp Blatter wiedergewählt. (…) Der Schweizer war bereits beim ersten Wahlgang nur einen Schritt vom Triumph entfernt. (…) Blatter bleibt an der Spitze der FIFA bis 2019, womit er 21 Jahre auf diesem Posten stehen wird. (...) Blatter versprach allerdings, dass er sich nach dieser Amtszeit zurückziehen werde.»

«Trud»: Der Präsident der FIFA, Sepp Blatter, wurde wiedergewählt.(…) Die Abstimmung war geheim, obwohl recht viele Staaten und regionale Organisationen bekanntgegeben hatten, wen sie unterstützen wollen.»

«Nepszabadsag»: «Es ist schon allein deswegen traurig, weil die FIFA zu den wenigen Unternehmungen gehört, die sich eine von Werten bestimmte Politik erlauben können. Allein, sie haben all dies außer Acht gelassen, nur auf ihr privates Geld geachtet und sind voranmarschiert. Bis zum Absturz, zu dessen Vollendung bis hin zur jetzigen Katastrophe unbedingt (Joseph) Blatters Neuwahl nötig war. Damit endlich alle verstehen: Sie haben ihre Heimat verraten. Fußball ist das Zuhause sehr vieler Menschen. Trotz alledem.»

SERBIEN:

«Informer»: «Blatter ist stärker als Amerika»

«Kurir»: «Politikspiel: Sieg Russlands im Fußballkrieg»

«Danas»: «Der Fußball-Diktator ist der Liebling der armen FIFA-Mitglieder uns Russlands»

BELGIEN:  

«Grenzecho»: «FIFA-Skandal: Ende des '(ohn)mächtigen Sepp'»

«De Tijd»: «'Houdini' Blatter stürzt FIFA in Chaos»

«De Standard»: «Michel Platini ist nicht wirklich ein weißer Ritter»

«Het Nieuwsblad»: «Skandal nach Skandal, aber Blatter bleibt»

RUMÄNIEN:

«Gazeta Sporturilor»: «Die Amerikaner mussten kommen. (...) Bei uns (in Rumänien) haben sie (die Amerikaner) Militärstützpunkte eingerichtet um uns gegen den Friedensgeist des Kreml zu verteidigen, bei ihnen (in der Schweiz) haben sie ein paar Übeltäter der FIFA hochgehen lassen. Wir sind im Vorteil. Die Betroffenen, gepflegte Gesichter aus der Hierarchie des Weltgremiums, genossen gerade ihre Cocktails im Wellnessbereich des All-Inclusive-Hotels in Zürich, oder sie zählten gerade ihr Geld. Sie trainierten gerade für die Wiederwahl von Sepp Blatter, jene Stretching-Übung, die alle vier Jahre seit 1998 wiederholt wird, als der Methusalem Havelange die Stafette an den allgegenwärtigen Schweizer abgab.»