Kinder haben immer seltener Spielplätze vor der Haustür

In der Nähe ihres Wohnorts finden Kinder in Deutschland immer seltener einen geeigneten Platz zum Spielen. «Es wird immer weniger in solche Spielräume investiert», sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes (DKHW), Holger Hofmann, anlässlich des Weltspieltags.

Kinder haben immer seltener Spielplätze vor der Haustür
Jens Büttner Kinder haben immer seltener Spielplätze vor der Haustür

Gerade ältere Kinder seien betroffen: Viele Kommunen scheuten Ärger mit Anwohnern wegen des Lärms und verlagerten «gute Orte» wie Bolzplätze, BMX- und Skateparks an den Stadtrand.

Zwar verbringt dem Experten zufolge ein Drittel der Kinder sehr viel Zeit vor dem Fernseher und dem Computer. Die Mehrheit spiele aber nach wie vor gern im Freien, sagte Hofmann, der den Weltspieltag hierzulande vor acht Jahren mit initiiert hat. «Das Spiel draußen ist heute die einzige Möglichkeit, bei der Kinder noch eigene Erfahrungen machen können. Zum Beispiel Regeln selbst erfinden.»

Für Kleinkinder gebe es eher noch Angebote vor der Haustüre oder um die Ecke - allerdings oft verwahrloste. «Bei einem Drittel der öffentlichen Spielplätze bleiben die nötigen Sanierungen aus.» Kaputte Geräte etwa würden abgebaut statt ersetzt. Oft müssten Eltern mit Vereinen die Initiative ergreifen und neue Plätze für Kinder schaffen. «Man kann mit wenig Einsatz viel bewirken, es müssen nicht immer neue Geräte sein», betonte Hofmann.

In Berlin-Pankow zum Beispiel verwandelt sich ein Straßenabschnitt in einem Modellprojekt bis zum Herbst einmal in der Woche zum Spielplatz: Dabei können Anwohner zumindest auf Zeit die Straße als Spielort zurückerobern.

Auch weltweit setzen sich Hilfsorganisationen für das Recht der Jüngsten aufs Spielen ein: Ein Mangel an Spielmöglichkeiten sei kein Luxusproblem, betonte Claudia Berker von Terre des Hommes in einer Mitteilung. Vielmehr werde dadurch eine optimale Entwicklung der Kinder verhindert.

Die Zahl der Spielplätze bundesweit ist nach DKHW-Angaben stark rückläufig. Aktuell gebe es rund 120 000, davon die Hälfte in öffentlicher Hand.