Neue Vorwürfe, alter Kern: FIFA wieder in der Kritik

Wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Zürich sieht sich die FIFA wieder Anschuldigungen um vermeintlich korrupte Vorstandsmitglieder ausgesetzt. Eine Dokumentation beleuchtet Hintergründe in den Gastgeberländern Russland und Katar.

Neue Vorwürfe, alter Kern: FIFA wieder in der Kritik
Gavin Barker Neue Vorwürfe, alter Kern: FIFA wieder in der Kritik

Beim Weltverband ist die Aufregung über die im ARD-Beitrag konkretisierten Anschuldigungen relativ gering. Doch was steckt dahinter und was bedeuten die Enthüllungen für den Machtapparat des Weltverbandes?

Die Summe von 1,5 Millionen Dollar für diverse Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees von den damaligen Bewerbern aus Katar wurde schon häufiger kolportiert. Die ehemalige Mitarbeiterin der Katar-Kandidatur, Phaedra Almajid, nennt nun drei Namen: Issa Hayatou, Jacques Anouma und Amos Amadu, die die Vorwürfe zurückweisen oder keine Stellung nehmen. Neu sind die wohl legalen, aber moralisch höchst angreifbaren Geschäftskontakte des zyprischen Exekutivmitglieds Marios Lefkaritis im Dunstkreis des russischen Energieriesen und FIFA-Sponsors Gazprom, zu dem auch das ehemalige FIFA-Exko-Mitglied Franz Beckenbauer mittlerweile enge Kontakte hat.

Issa Hayatou ist FIFA-Vizepräsident und seit 1990 im Vorstand des Weltverbandes. 2002 wäre der langjährige Chef des afrikanischen Verbandes fast gegen FIFA-Präsident Joseph Blatter angetreten. Heute ist er enger Vertrauter des FIFA-Chefs und Stimmensammler in Afrika. Vom IOC wurde er wegen Zahlungen einer Marketingfirma 2011 sanktioniert. Jaques Anouma ist Fußball-Chef der Elfenbeinküste, sein Name fiel immer wieder, wenn es um Korruptionsvorwürfe ging. Im Mai scheidet er aus dem FIFA-Exko aus. Amos Amadu war schon vor der WM-Vergabe 2010 in einem anderem Fall wegen Bestechlichkeit suspendiert worden. Marios Lefkaritis ist seit acht Jahren im FIFA-Vorstand und zudem UEFA-Vizepräsident. Der 68-Jährige führt ein Öl-Unternehmen in seiner Heimat.

Die Aufhebung fundamentaler Arbeitsrechte passt eigentlich nicht in das von Blatter kultivierte Bild der FIFA als Motor der Menschlichkeit. Ein Diktat juristischer Bestimmungen als Bedingung für den Zuschlag für Sportgroßereignisse ist aber keine Seltenheit. So verfährt übrigens auch das Internationale Olympische Komitee. Vor der WM 2006 in Deutschland ließ sich die FIFA zum Beispiel von der Quellensteuer befreien. Letztlich liegt es auch im Ermessen der Gastgeberländer, was ihnen die Macht der eigenen Gesetzeskraft im Verhältnis zum Prestige eines Sportgroßereignisses wert ist.

Der Weltverband gerät durch Enthüllungen dieser Art nicht aus dem Tritt. Entlarvend für das eigene Selbstverständnis ist die Aussage Blatters kürzlich auf einer Pressekonferenz in Kairo, als er die Vorwürfe gegen Hayatou als «ekelhafte Erklärung» bezeichnete. Verbandsjuristisch ist die Causa durch die Arbeit der Ethikkammern ohnehin abgeschlossen. Zu Bewegung könnte es noch einmal kommen, sollte der Garcia-Report mit den Resultaten der Ermittlungen von US-Jurist Michael Garcia doch noch veröffentlicht werden. Damit ist aber frühestens nach dem FIFA-Kongress am 29. Mai zu rechnen.