Tausende bei Gedenken an Kriegsende in Berlin

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa haben Tausende Menschen in Berlin der Opfer gedacht.

Vor den Sowjetischen Ehrenmalen in Treptow und in der Nähe des Brandenburger Tors legten sie am Samstag Blumen und Kränze nieder. Darunter waren Botschafter verschiedener Länder, unter ihnen der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir Grinin. Er sagte, es sei wichtig an das Kriegsende zu erinnern - «für uns und für alle».

Zum größten Ehrenmal in der Hauptstadt, wo Tausende sowjetische Soldaten begraben sind, kamen nach Schätzungen der Polizei fast 10 000 Menschen. Darunter waren viele Russen und einige Veteranen. Sie schwenkten russische Fahnen. Einige trugen Bilder von Gefallenen. Vor den Gedenktafeln lagen bergeweise Blumen.

In Russland und den meisten Nachfolgestaaten der Sowjetunion wird am 9. Mai an die Kapitulation Hitler-Deutschlands erinnert. Der Beginn des Waffenstillstands am Ende des Zweiten Weltkriegs war nach der Unterzeichnung der Kapitulation vor den Westalliierten auf den 8. Mai 1945 um 23.00 Uhr MEZ festgelegt worden. Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel als Befehlshaber der Wehrmacht unterzeichnete die Kapitulation vor den Sowjets erst am 9. Mai - kurz nach Mitternacht.

Zu den Gedenkveranstaltungen in Berlin waren auch Mitglieder und Sympathisanten des kremlnahen Motorradclubs «Nachtwölfe» gekommen. Es gab zunächst keinerlei Zwischenfälle. Die Biker wollten an diesem Samstag ihre umstrittene Tour von Moskau nach Berlin offiziell beenden. Mit ihrer Tour feiern die Rocker nach eigener Darstellung den Sieg der Roten Armee über Nazi-Deutschland.

Die Fahrt der «Nachtwölfe» hatte in den vergangenen Tagen für Aufregung und politische Verstimmung gesorgt. Mehreren Mitgliedern war die Einreise nach Deutschland verweigert worden. Polen verweigerte dem Konvoi der Biker ebenfalls die Einreise.

Mit Blick auf die Spannungen zwischen dem Westen und Russland wegen der Krise in der Ostukraine sagte der Leiter des Deutsch-Russischen Forums, Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Rande des Gedenkens, «wir sind sehr gut beraten, Dinge voneinander zu trennen». Russland habe im Zweiten Weltkrieg den höchsten Blutzoll zu verzeichnen gehabt. Er wünsche sich, dass die sowjetischen Opfer genauso Platz in der Erinnerung finden wie die Opfer des Holocausts, erklärte Platzeck.

Am Mahnmal im Treptower Park traten auch Mitglieder des sogenannten Traditionsverbands der DDR-Armee NVA auf - allerdings in Zivil. Vor zwei Jahren hatte eine Demonstration von Männern in NVA- und Stasi- Uniformen am Sowjetischen Ehrenmal bundesweit Empörung ausgelöst.