Total happy: Lena Schöneborn gewinnt Gold bei Heim-WM

Lena Schöneborn hat der Hitze getrotzt und dem enormen Erwartungsdruck bei der Heim-WM der Modernen Fünfkämpfer standgehalten.

Total happy: Lena Schöneborn gewinnt Gold bei Heim-WM
Rainer Jensen Total happy: Lena Schöneborn gewinnt Gold bei Heim-WM

Zuerst durfte Alexander Nobis, Staffel-Weltmeister und der Freund der neuen Einzel-Weltmeisterin, sie umarmen. Anschließend war die aus Bonn-Troisdorf angereiste Familie dran. Mit einer standesgemäßen Sektdusche feierten die Schöneborns kurz hinter dem Zielstrich im Berliner Olympiapark den ebenso beeindruckenden wie historischen Sieg der Olympiasiegerin von Peking 2008. Sieben Jahre später gewann «Gold-Lena» bei der Heim-WM als erste deutsche Mehrkämpferin den ersehnten Einzel-Titel.

«Ich bin total erleichtert und völlig happy», kommentierte die 29 Jahre alte Wahl-Berlinerin, die noch immer für ihren Heimatclub Bonn startet, ihren souveränen Sieg bei brütender Hitze. Das Lob prasselte von allen Seiten auf die neue Weltmeisterin ein, die sich zusätzlich das Olympia-Ticket für Rio 2016 sicherte. «Das war Weltklasse. Lena hat einen perfekten Wettkampf abgeliefert», erklärte Bundestrainerin Kim Raisner, die noch vor zehn Jahren mit Lena Schöneborn WM-Gold in der Team-Wertung geholt hatte.

Nach mehreren vergeblichen Titel-Anläufen, bei denen einmal Silber und zweimal Bronze heraussprang, stand die vielseitige Athletin beim Heimspiel unter besonderen Erfolgsdruck. Das merkte man besonders am Samstagmorgen, als das Finale der besten 36 mit dem Schwimmen begann. «Das Schwimmen war miserabel, das Fechten danach aber bombig», sagte Schöneborn. Mit der grandiosen Bilanz von 30 Siegen und fünf Niederlagen mit dem Degen übertraf sie sogar ihren Rekord von Peking 2008, als ein 28:7-Resultat den Grundstein zum späteren Olympiasieg legte.

«Das war eine fantastische Leistung. Mir haben vor allem die vielen Finten und Paraden, aber auch ihr taktisches Verständnis gefallen», lobte sogar Fecht-Olympiasieger Britta Heidemann den Glanzauftritt auf der Planche. Beim Reiten behielt Schöneborn die Ruhe, obwohl kurzfristig der Zügel gerissen war. Sie startete deshalb als letzte Reiterin, dirigierte ihr Pferd Ordynat ohne Abwurf über den Parcours und übernahm vor dem abschließenden Combined die Führung.

Auch mit dieser ungewohnten Rolle kam die starke Läuferin, die meistens in der letzten Disziplin das Feld von hinten aufrollen muss, bestens klar. Mit dem riesigen Vorsprung von 23 Sekunden verwies Schöneborn die Chinesin Chen Qian und Yane Marques aus Brasilien auf die Plätze zwei und drei. «Die Beine wollten gar nicht mehr. Wir haben schließlich noch die Team-Medaille ein bisschen im Blick, deshalb habe ich noch ein bisschen mehr gegeben», sagte die Weltmeisterin in der ARD.

Auch dieser Plan ging auf. Hinter Polen und vor Ungarn sicherte sich das Trio von Bundestrainerin Raisner mit Schöneborn, Janine Kohlmann und Annika Schleu die Silbermedaille in der Teamwertung. Damit wird es in der Weltmeister-Wohnung Schöneborn/Nobis langsam eng an der Wand. «Wir werden alle Medaillen aufhängen», sagte Nobis.