Weltweite Euphorie über Atomabkommen lässt Israel kalt

Die historische Einigung im Atomstreit mit dem Iran ist zumindest außerhalb Israels mit enormer Erleichterung und teils gar Euphorie begrüßt worden.

«Wir eröffnen ein neues Kapitel in unseren Beziehungen», erklärten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif unisono. Erreicht worden sei ein «guter Deal» für alle Seiten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem «historischen und bedeutenden» Durchbruch.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte die Hoffnung, das Abkommen möge Frieden und Sicherheit im Nahen Osten sowie darüber hinaus fördern: «Nach über einem Jahrzehnt können wir einen Konflikt beilegen, der die Welt zwischenzeitlich sogar an den Rand einer militärischen Auseinandersetzung gebracht hat.»

Aus Sicht des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani wurde «eine Sieger-Verlierer-Lösung» vermieden, stattdessen gebe es nur Gewinner. «Wir haben es geschafft, unsere nationalen Interessen zu wahren und einen Wendepunkt zu erzielen», sagte der als gemäßigt geltende Reformer. Selbst konservative Parteipolitiker in Teheran attestierten der iranischen Delegation, die Interessen des Landes «erfolgreich verteidigt» zu haben.

US-Außenminister John Kerry bezeichnete den Atomkompromiss als beste Möglichkeit, das iranische Atomprogramm zu begrenzen. Präsident Barack Obama drohte dem US-Kongress vorsorglich mit einem Veto, falls dieser das Atomabkommen per Resolution zu kippen versuchen sollte. Umgekehrt würden etwaige Verstöße Teherans gegen bestehende Auflagen sofort mit einer Wiedereinsetzung der Sanktionen beantwortet.

Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte sich «überzeugt, dass die Welt heute vor Erleichterung laut aufgeatmet hat». Auch die Präsidenten des EU-Rats und Europäischen Parlaments, Donald Tusk und Martin Schulz, feierten den Durchbruch am Verhandlungsort in Wien als Sieg der Diplomatie. Positive Reaktionen kamen überdies von den iranischen Nachbarstaaten Türkei, Pakistan und Afghanistan sowie von der britischen und französischen Regierung.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geißelte das Abkommen hingegen als «historischen Fehler für die Welt», der Iran nicht vom Bau einer Atombombe abhalten werde. Der Sanktionsstopp werde Teheran zudem Hunderte Milliarden Dollar verschaffen, mit denen Terror- Gruppen finanziert würden.

Die heute geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass der Iran sein Atomprogramm deutlich zurückfährt, um der Welt den friedlichen Charakter des Programms zu beweisen. Im Gegenzug sollen die internationalen Sanktionen gegen Teheran schrittweise fallen.