Berlinale: Herzogs Wüsten-Epos mit Nicole Kidman

Stars in der Wüste: Mit Werner Herzogs Orient-Epos  «Queen of the Desert» ist am Freitag bei der Berlinale der erste deutsche Film ins Rennen um den Goldenen Bären gegangen.

Berlinale: Herzogs Wüsten-Epos mit Nicole Kidman
Britta Pedersen Berlinale: Herzogs Wüsten-Epos mit Nicole Kidman

Das Abenteuer- und Liebesdrama enttäuschte das Publikum in einer ersten Pressevorführung allerdings als Schmonzette mit exotischen Schauplätzen. Hollywoodstar Nicole Kidman spielt in dem Film die britische Forschungsreisende und Geheimdienstfrau Gertrude Bell (1868-1926), die in den 1920er Jahren an der politischen Neuordnung im Nahen Osten beteiligt war.

Herzog, der zuletzt 1979 mit «Nosferatu - Phantom der Nacht» im Wettbewerb war und Meisterwerke wie «Fitzcarraldo» schuf, wird der politischen Dimension von Bells Lebenswerk aber nicht wirklich gerecht. Der Regisseur konzentriert sich auf das Liebesleid der blonden, durchsetzungskräftigen und die Poesie liebenden Schönheit Bell, die schwer am Tod ihres Geliebten Henry (James Franco als Verführer) trägt. «Twilight»-Star Robert Pattinson hat eine kleine Rolle als Oberst Lawrence. Am Ende bleibt der Eindruck einer kitschigen Wüsten-Seifenoper mit Kamelen, Kolonialbeamten und folkloristisch in Szene gesetzten Einheimischen.

Kidman meinte in Berlin, sie liebe Abenteuer. «Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, wo ich andere Länder kennenlernen und meine Komfortzone verlassen möchte», sagte die australische Schauspielerin («The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit», «Eyes Wide Shut»). Deswegen habe sie die Arbeit an Herzogs Film, der viel in Wüsten Nordafrikas gedreht wurde, so genossen. 

«Queen of the Desert»-Heldin Gertrude Bell startete ihr großes Abenteuer damals in Teheran. Wie das Leben in der iranischen Hauptstadt heute ist, zeigt der mit Spannung erwartete, heimlich gedrehte neue Film des regimekritischen Iraners Jafar Panahi («Offside»). In «Taxi» spielt Panahi einen Taxifahrer, der verschiedene Fahrgäste durch Teheran chauffiert. Die Gespräche des Regisseurs mit den Passagieren werden von einer auf dem Armaturenbrett des Autos befestigten Kamera aufgezeichnet.

Frauen, Männer und ein sehr aufgewecktes kleines Mädchen sprechen sehr offen mit dem Taxifahrer über ihre Probleme und ihr Leben im Iran. Manche der Fahrgäste (er)kennen den im realen Leben mit einem Arbeits- und Ausreiseverbot belegten Panahi als Panahi: ein mit illegalen Filmkopien handelnder Mann, ein alter Nachbar und eine Menschenrechtsanwältin zum Beispiel. Andere sehen ihn als etwas seltsamen Taxifahrer und nehmen bei ihren Äußerungen über Kriminalität und die Todesstrafe kein Blatt vor den Mund.

Panahi hat das Spiel mit den Wahrheiten, in dem es auch um Zensur und Selbstzensur geht, gekonnt doppelbödig inszeniert. «Taxi» ist ein witziger, subtil politischer Film geworden. Am Ende wird die Kamera aus dem Auto geklaut. Ob die Fahrgäste reale Personen, Laien oder Schauspieler sind, bleibt offen.

Panahi war wegen seiner Kritik an der iranischen Regierung im Dezember 2010 zu sechs Jahren Haft und einem 20-jährigen Berufs- und Ausreiseverbot verurteilt worden - das Urteil wurde jedoch nicht vollständig vollstreckt. «Ich bin Filmemacher. Ich kann nichts anderes als Filme machen», heißt es in einer im Berlinale-Programm veröffentlichten Erklärung von Panahi.

Und weiter: «Mit Kino drücke ich mich aus, es ist mein Leben. Nichts kann mich am Filmemachen hindern. Denn wenn ich in die äußerste Ecke gedrängt werde, ziehe ich mich in mein Innerstes zurück. Und trotz aller Einschränkungen wird in dieser inneren Abgeschlossenheit die Notwendigkeit, etwas zu erschaffen, zu einem immer größeren Trieb.»

Trotz Berufsverbots drehte Panahi heimlich den Film «Geschlossener Vorhang», der 2013 bei der Berlinale den Silbernen Bären für das beste Drehbuch erhielt. Der Filmemacher steht zwar mittlerweile nicht mehr unter Hausarrest, am Berufs- und Ausreiseverbot hat sich jedoch nichts geändert. Außerdem ist ihm jeglicher Kontakt zur Presse verboten. Wie «Taxi» zur Berlinale kam, wollte Festival-Direktor Dieter Kosslick nicht sagen.

Als «stillen filmischen Protest» bezeichnet er die immer wiederkehrende Einladung an Panahi, der vor vier Jahren Jurymitglied war und nicht ausreisen durfte. «Ich lade Panahi solange ein, bis er kommen kann», so Kosslick. Die Berlinale kämpfe seit ihrer Gründung im Jahr 1951 um die Freiheit von Kunst und Meinungsfreiheit. Drei weitere Filme iranischer Regisseure sind in den Sektionen Panorama, Forum und Generation zu sehen.

Ganz privat sollte es dann im dritten Wettbewerbsbeitrag «45 Years» des Briten Andrew Haigh werden: Charlotte Rampling steckt als Ehefrau mitten in den Vorbereitungen für ihren 45. Hochzeitstag. Da kommt eine Nachricht, die das Leben mit ihrem Mann plötzlich infrage stellt.