Berlinale im Spagat: Party, Politik und Proteste

Kritik aus dem Iran, Drohungen aus Nordkorea und erregte Fans des amerikanischen Sadomaso-Dramas «Fifty Shades of Grey»: Die Filmauswahl der 65. Berlinale schlägt bereits vor dem Start des Festivals in knapp einer Woche (5.2.) hohe Wellen.

Berlinale im Spagat: Party, Politik und Proteste
Jörg Carstensen Berlinale im Spagat: Party, Politik und Proteste

Das größte Publikumsfestival der Welt ist traditionell auch das politischste. Brisante Filme über Religionswahn, Kindesmissbrauch und Homophobie hat Direktor Dieter Kosslick (66) für das Rennen um den Goldenen Bären ausgewählt. «Aber neben den ernsten Themen gibt es natürlich auch Unterhaltung», sagt der Chef der Berliner Filmfestspiele.

«Das Star-Aufgebot auf dem roten Teppich kann sich wieder sehen lassen.» Stars wie Nicole Kidman, Robert Pattinson, Juliette Binoche, Natalie Portman, Helen Mirren, James Franco und Ian McKellen wird Kosslick vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz begrüßen. Auch Cate Blanchett, Charlotte Gainsbourg, Ben Kingsley, Charlotte Rampling und der medienscheue US-Regisseur Terrence Malick reisen zu den Premieren ihrer neuen Filme an.

441 Filme aus aller Welt zeigt die Jubiläums-Berlinale, 700 weitere Regiearbeiten werden auf dem European Film Market für professionelle Filmeinkäufer gehandelt. Die Deutschen sind dieses Mal ausgesprochen stark und hochkarätig im Programm vertreten. Oliver Hirschbiegel («Der Untergang») stellt «Elser» über den Hitler-Attentäter Georg Elser vor. Wim Wenders («Pina», «Der Himmel über Berlin») ist mit dem Beziehungsdrama «Every Thing Will Be Fine» mit James Franco und Charlotte Gainsbourg dabei, dem einzigen 3D-Film im Wettbewerb.

In «Queen of the Desert» von Werner Herzog («Fitzcarraldo») spielt Nicole Kidman die britische Forschungsreisende Gertrude Bell. Auch «Twilight»-Star Robert Pattinson stand für den Film vor der Kamera. Andreas Dresen startet mit «Als wir träumten» im Wettbewerb, in dem sich 19 Filme um den Goldenen Bären bewerben. Dresen («Halt auf freier Strecke») zeigt als Weltpremiere die Verfilmung des Romans von Clemens Meyer über Jugendliche in Leipzig.

Sebastian Schipper («Absolute Giganten») bewirbt sich mit dem Thriller «Victoria» um die Berlinale-Trophäe. In der Special-Reihe läuft Margarethe von Trottas «Die abhandene Welt» mit Katja Riemann und Barbara Sukowa. Terrence Malick («Der schmale Grat»), Berlinale-Gewinner von 1999, ist mit dem philosophischen Werk «Knight of Cups» im Rennen.

Erstmals zeigt das Festival im großen Stil eine Reihe heiß erwarteter Serien, darunter die US-Produktion «Better call Saul», Spin-off der Erfolgsserie «Breaking Bad». Der Macher von «Mad Men», Matthew Weiner, sitzt außerdem in der Festivaljury. Ebenso wie der deutsche Schauspieler Daniel Brühl («Rush - Alles für den Sieg») und die Französin Audrey Tautou («Die fabelhafte Welt der Amélie»). Chef des siebenköpfigen Gremiums ist US-Regisseur Darren Aronofsky («Black Swan»).

Protest aus dem Iran gab es gegen Kosslicks Entscheidung, den heimlich gedrehten Film «Taxi» des regimekritischen, mit Arbeitsverbot belegten iranischen Filmemachers Jafar Panahi («Offside») zu zeigen. «Es ist ein stiller filmischer Protest. Die ständige Einladung an Panahi, der vor vier Jahren Jurymitglied war und nicht ausreisen durfte, steht. Ich lade Panahi solange ein, bis er kommen kann», so Kosslick. Die Berlinale kämpfe seit ihrer Gründung im Jahr 1951 um die Freiheit von Kunst und Meinungsfreiheit. Drei weitere Filme iranischer Regisseure sind in den Sektionen Panorama, Forum und Generation zu sehen.

Auch aus Nordkorea kamen harsche Töne: Das Regime warnte die Berlinale vor der Aufführung von «The Interview» über einen fiktiven Anschlag auf Nordkoreas Machthaber. Die US-Kinosatire wird bei dem Festival allerdings gar nicht gezeigt. Sie findet sich aber auf der Nominierungsliste für einen Preis der Filmgala Cinema for Peace, die am Rande der Berlinale politisch engagierte Filmemacher auszeichnet. «Cinema for Peace wird sich daran beteiligen, Kopien des Films mit wasserstoffgasgefüllten Luftballons über die Grenze nach Nordkorea zu schicken», kündigten die Veranstalter an.

Für Aufregung anderer Art dürfte die Premiere der Bestseller-Verfilmung «Fifty Shades of Grey» mit den Jungstars Dakota Johnson und Jamie Dornan sorgen. Wer von den Fans keine Karte für die Premiere am 11. Februar bekommt, kann sich trösten: Schon am nächsten Tag startet das Erotik-Drama offiziell im Kino.