Bernanke stellt langsamen Ausstieg aus Anleihekäufen in Aussicht

Die US-Notenbank hält vorerst noch an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Fed-Chef Ben Bernanke stellte aber erstmals einen schrittweisen Ausstieg aus den Anleihekäufen zur Stützung der Wirtschaftserholung in Aussicht.

Bernanke stellt langsamen Ausstieg aus Anleihekäufen in Aussicht
Jim Lo Scalzo

Demnach könnte er noch in diesem Jahr mit einer Drosselung beginnen. An der Zinspolitik dürfte die Notenbank allerdings auf längere Sicht nicht rütteln. Der Leitzins liegt weiter auf einem Rekordtief von 0 bis 0,25 Prozent.

Investoren hatten die Entscheidung der Notenbank vom Mittwoch mit Nervosität erwartet, nachdem es aus Fed-Kreisen gegensätzliche Signale über den weiteren geldpolitischen Kurs gegeben hatte. Die Notenbank kauft derzeit Anleihen im Umfang von insgesamt 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro) monatlich auf.

Bernanke wies am Mittwoch auf Fortschritte am Arbeitsmarkt hin. Insgesamt hätten sich die Risiken für die Wirtschaft seit dem vergangenen Herbst verbessert, heißt es auch in einer Mitteilung des Fed-Offenmarktausschusses, die zum Abschluss einer zweitägigen Sitzung veröffentlicht wurde. Dennoch sei die Arbeitslosenquote nach wie vor hoch - sie liegt derzeit bei 7,6 Prozent. Um eine stärkere Erholung zu stützen, würden die Anleihenverkäufe daher vorläufig fortgesetzt.

Bernanke kündigte aber an, dass das Tempo der Anleihenkäufe «später im Jahr» verringert werden könnte, wenn sich von der Fed erwartete Konjunkturdaten bestätigten. Mitte 2014 könnten die Programme dann möglicherweise ganz gestoppt werden.

Die Wirtschaft wächst Bernanke zufolge weiterhin in einem moderaten Tempo, das Wachstum werde aber durch die Washingtoner Fiskalpolitik gebremst. Bernanke bezog sich dabei auf automatische Ausgabenkürzungen querbeet durch den US-Haushalt, die im Frühjahr in Kraft getreten waren. Die Fed erwartet für 2013 ein Wirtschaftswachstum zwischen 2,3 und 2,6 Prozent, für 2014 zwischen 3,0 und 3,5 Prozent. Das ist eine leichte Korrektur nach unten im Vergleich zur Fed-Prognose vom März. Bei der Arbeitslosenquote ist die Notenbank dagegen etwas optimistischer. Für dieses Jahr erwartet sie einen Rückgang auf 7,3 bis 7,2 Prozent, für 2014 einen Rückgang auf 7 bis 6,5 Prozent.

Die Inflationsprognose für 2013 wurde ziemlich deutlich zurückgenommen. Nachdem im März für die von der Fed besonders beachtete Kerninflation Raten von 1,5 bis 1,6 Prozent genannt worden waren, ist nun von 1,2 bis 1,3 Prozent die Rede.

Bernanke deutete an, dass eine erste Erhöhung des Leitzinses aber noch in weiterer Ferne liege. Selbst wenn die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent falle, müsse dies nicht unbedingt mit Zinserhöhungen einhergehen. Die Marke sei lediglich ein Schwellenwert - kein Auslöser für automatische Zinsanhebungen.

Seit Ende 2012 hat die Fed ihre Zinspolitik an die Entwicklung am Arbeitsmarkt gekoppelt. Erst wenn die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent fällt, will sie über eine erste Zinserhöhungen nachdenken. Die Fed könne diesen Schwellenwert aber auch jederzeit nach unten setzen, sagte Bernanke auf Rückfrage. Die Erwartungen gehen dahin, dass sich vor 2015 nichts bewegt.

Über seine eigene Zukunft schwieg sich der Fed-Chef aus. Bernankes zweite Amtszeit läuft Ende Januar 2014 aus, und die Anzeichen, dass er dann ausscheidet, haben sich zunehmend verdichtet. So sagte US-Präsident Barack Obama kürzlich, dass Bernanke den Posten schon wesentlich länger bekleidet habe, «als er es wollte und als es eigentlich vorgesehen war». Damit lieferte er nach Ansicht von Experten ein klares Signal, dass er den obersten Währungshüter nicht für eine dritte Amtszeit nominieren werde.