Bernie unter Bauern: Ecclestone als Krisenmanager

Francorchamps (dpa) - Eigentlich müsste Bernie Ecclestone mit der Formel 1 schon ausgelastet genug sein.

Bernie unter Bauern: Ecclestone als Krisenmanager
Valdrin Xhemaj Bernie unter Bauern: Ecclestone als Krisenmanager

Die Hälfte der Rennställe hat erhebliche finanzielle Probleme, das Interesse an der Königsklasse des Motorsports ist im alten Kernmarkt Europa merklich gesunken und die Betreiber einiger Traditionsstrecken können sich die Antrittsgebühren eigentlich nicht mehr leisten.

An diesem Morgen in Spa-Francorchamps steht der 84-Jährige aber vor einer in den belgischen Landesfarben bemalten Kuh-Attrappe und wird politisch. Der Brite mischt sich in den Kampf der Milchbauern ein.

Um einen Ausweg aus der gegenwärtigen Krise mit sinkenden Erträgen zu finden, müsse die Produktion in Europa heruntergefahren werden, rät der ehemalige Gebrauchtwagenhändler vor einer Traube von Landwirten und greift solidarisch zu einer Milchtüte.

«Seine Sicht bestärkt uns in unserem Vorgehen», sagt ein Sprecher des Dachverbandes europäischer Milcherzeugerverbände. Von einer möglichen Blockade von Zufahrtstraßen zum Grand Prix von Belgien ist keine Rede mehr. Die Landwirte haben ihre eingeforderte Aufmerksamkeit schon am Tag vor dem Traditionsrennen bekommen, sie nehmen Ecclestones Worte zufrieden zur Kenntnis. Bernie hat die Bauern beschwichtigt.

Ecclestone ist viel unterwegs, er muss sich zeigen. Die Formel 1 ist sein Lebenswerk. Das einstige Hochglanzprodukt hat aber trotz so mancher Gegenmaßnahme längst deutlich an Attraktivität verloren. Und das liegt auch an Ecclestone selbst, der für den rasantesten Kreisverkehr der Welt noch immer keine schlüssige Social-Media-Strategie vorweisen kann und damit auch erheblichen Nachholbedarf im Werben um junge potenzielle Fans hat.

Dennoch erwirtschaftet Ecclestone für Rechteinhaber CVC weiter Milliarden. Die Gewinne bleiben hoch, weil die TV-Einnahmen weiter fließen. Dafür erschließt Ecclestone immer wieder neue Märkte. Ob nun in Asien oder Amerika, die Rennveranstalter akquiriert der Chef.

Nach seinem Tête-à-Tête mit den Milchbauern schlendert Ecclestone durch das Medienzentrum an der Strecke. Er ist in Begleitung. Der Vize-Gouverneur von Krasnodar, Alexander Saurin, und der Promoter des Russland-Rennens in Sotschi, Sergej Worobjow, schreiten mit Ecclestone durch den Raum.

Sie betreiben PR in eigener Sache für das 2014 in den Rennkalender aufgenommene Event. «Wir reden heute nicht über 2015 oder 2016, sondern eine langfristige Zukunft. Wir sind in Gesprächen über eine Verlängerung des Vertrags», lässt Saurin von Worobjow in englischer Übersetzung verlauten. Ecclestone gefällt das. Mit Veranstaltungen in Ländern, die es mit der Demokratie gerne mal legerer nehmen, hat der Formel-1-Zamapano noch nie Probleme gehabt.

Kopfzerbrechen bereiten Ecclestone andere Kandidaten. Italien zum Beispiel. «Alles was sie machen müssen ist, sie müssen einen Stift finden», weist er die Veranstalter des Traditionsrennens in Monza auf einen angeblich unterschriftsreifen Vertrag hin.

Wer nicht genug zahlen will, gehört schnell zu den Streichkandidaten. Der Grand Prix von Italien hat es dennoch in den provisorischen Kalender für 2016 geschafft. Die Formel 1 sei dort zwar glücklich, stellt Ecclestone klar, «aber wir machen Preissenkungen nicht mit.» Manchmal liegen die Welten von Milchbauern und der Formel 1 irgendwie doch ganz nah beieinander.