Überraschung in Sri Lanka: Herausforderer gewinnt Wahl

In Sri Lanka ist der überraschende Wahlsieger Maithripala Sirisena als neuer Präsident vereidigt worden. Er war gegen den seit zehn Jahren regierenden Präsidenten Mahinda Rajapaksa angetreten. Bei der Wahl erzielte er 51,3 Prozent der Stimmen. Rajapaksa kam auf 47,6 Prozent.

Nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe des offiziellen Wahlergebnisses legte der 63 Jahre alte frühere Gesundheitsminister Sirisena in einer eilig organisierten Zeremonie vor dem Obersten Gerichtshof in Colombo den Amtseid ab. Der frühere Oppositionsführer Ranil Wickremesinghe wurde als neuer Regierungschef vereidigt. Seine Vereinte Nationalpartei (UNP) hatte Sirisena in einer breiten Oppositionskoalition unterstützt.

Sirisenas UNP verfügt nur über 42 der 225 Sitze im Parlament und ist daher auf Unterstützung der Rajapaksa-Partei Vereinte Volks-Freiheitsallianz (UPFA) angewiesen. 27 Abgeordnete sagten dies bereits zu.

Rajapaksa (69) war als klarer Favorit in die Wahl gegangen. Er hatte stets großen Rückhalt in der Bevölkerungsmehrheit der Singhalesen, die rund drei Viertel der 20 Millionen Einwohner des Inselstaats im Indischen Ozean ausmachen. Er nutzte die Staatsmaschinerie für den Wahlkampf und ließ seine Anhänger mit Bussen zu Wahlveranstaltungen fahren.

Sirisena war lange ein enger Mitarbeiter Rajapaksas. Seit den 1990er Jahren hatte er mehrere Ministerämter inne. Im November brach er dann mit seinem Chef. Er kritisierte die Machtfülle Rajapaksas und versprach, die Macht zu dezentralisieren und das Parlament zu stärken.

Rajapaksa wurde von vielen zugute gehalten, dass er den jahrzehntelangen Bürgerkrieg gegen tamilische Rebellen 2009 beendete und die Wirtschaft ankurbelte. Doch er vereinte auch immer mehr Macht auf sich.

Eine Wiederwahl hätte seine dritte Amtszeit bedeutet. Dafür ließ er die Verfassung ändern. Auch verlegte er die Wahl um zwei Jahre vor - durchgewunken vom ihm gefälligen obersten Gericht. Rajapaksas Brüder waren Parlamentspräsident, Wirtschafts- und Verteidigungsminister.

Erst kurz vor der Wahl formierte sich eine starke Allianz gegen den Amtsinhaber, angeführt von Sirisena. Buddhistische, muslimische und marxistische Parteien unterstützten den 63-Jährigen. Auch acht Minister und Staatssekretäre liefen über. Viele Sri-Lanker hatten offenbar genug von ihrem nahezu autokratischen Herrscher. Sie beklagten Korruption, Vetternwirtschaft und ansteigende Preise.

Erster großer Auftritt des neuen Präsidenten dürfte die Begrüßung von Papst Franziskus sein, der am Dienstag in Colombo erwartet wird.

Die Bundesregierung gratulierte dem Wahlsieger Sirisena zu seinem Erfolg. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lobte zugleich den bislang regierenden Präsidenten für das schnelle Eingeständnis seiner Niederlage. In Sri Lanka gebe es jetzt die «Chance auf einen Neubeginn für eine Aussöhnung der Volksgruppen».