Berufungsprozess gegen El Masri beginnt

Vor fünf Wochen wurde der Deutsch-Libanese Khaled el Masri vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Nun muss sich das einstige Entführungsopfer des US-Geheimdienstes erneut vor Gericht verantworten.

Berufungsprozess gegen El Masri beginnt
Karl-Josef Hildenbrand Berufungsprozess gegen El Masri beginnt

Heute beginnt der Berufungsprozess vor dem Landgericht Kempten. El Masri soll Ende Juli im Gefängnis einen Vollzugsbeamten beleidigt und geschlagen sowie drei Menschen mit dem Tod gedroht haben.

Das Amtsgericht Kempten hatte den 50-Jährigen vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen, ihn aber wegen Beleidigung und Bedrohung zu 1500 Euro Geldstrafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft legte gegen den Freispruch Berufung und gegen die damit verbundene Aufhebung des Haftbefehls Beschwerde ein. Wegen Fluchtgefahr erließ das Landgericht Kempten daraufhin einen neuen Haftbefehl. Seitdem wartet El Masri in Untersuchungshaft auf den Berufungsprozess.

Seit Jahren gilt der aus Neu-Ulm stammende sechsfache Vater als traumatisiert. Bekanntgeworden war El Masri, weil er 2004 vom US-Geheimdienst wegen Terrorverdachts verschleppt und gefoltert worden war. Sein Fall beschäftigte Gerichte in Deutschland, den USA und Mazedonien sowie einen Untersuchungsausschuss des Bundestages. Im Dezember 2012 sprach der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte El Masri ein Schmerzensgeld von 60 000 Euro zu.