Besonderes Wiedersehen: VfL gegen Lille unter Druck

Ein Wiedersehen der besonderen Art erwartet den VfL Wolfsburg in der Europa League. Mit dem OSC Lille kehrt Simon Kjaer nach Wolfsburg zurück. Der 25 Jahre alte Däne wurde vor knapp einem Jahr beim Fußball-Bundesligisten aussortiert - und dürfte nun besonders motiviert sein.

Besonderes Wiedersehen: VfL gegen Lille unter Druck
Peter Steffen Besonderes Wiedersehen: VfL gegen Lille unter Druck

«Ich glaube, Simon ist auch ein Grund, warum Lille so wenig Gegentreffer hat», sagte VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs. Gegen die defensivstarken Nordfranzosen ist der Druck bereits groß, weil die Wolfsburger nach dem verpatzten Auftakt in Everton in der Gruppe H Letzter sind.

«In den Heimspielen muss man die Grundlagen schaffen, am besten alle drei gewinnen», sagte Allofs und räumte unumwunden ein: «Wir sind schon sehr unter Druck. Es ist nicht möglich zu sagen: 'Irgendwann holt man schon die Punkte'.» Unter besonderer Beobachtung bei dieser vorentscheidenden Partie steht Kjaer. Der dänische Nationalspieler kam zum VfL, als in Wolfsburg häufiger unverhältnismäßig hohe Transfersummen gezahlt wurden, und stand oft in der Kritik.

«Es war auch schon zu Magaths Zeiten nicht immer reibungslos, er war in der Bundesliga oft wechselhaft», sagte Allofs, der den Verteidiger im Rahmen der Kaderreduzierung vor einem Jahr nach Lille verkaufte. «Wir mussten eine Entscheidung treffen, als es die Anfrage gab», erklärte der Manager. Der 2010 für rund 12 Millionen Euro geholte Verteidiger wurde für geschätzte 2,5 Millionen abgegeben.

Kjaer habe sich stabilisiert, findet Allofs. Gefürchtet ist der harte Innenverteidiger, der 63 Erstligaspiele für den VfL absolviert hat, auch als Torschütze, vor allem nach Standardsituationen. So gelang ihm bei Lilles Auftaktspiel in der Europa League gegen FK Krasnodar der Ausgleichstreffer zum 1:1. «Es ist cool, in Wolfsburg alte Freunde zu treffen, aber es geht um ein gutes Resultat, und nur das zählt», sagte Kjaer. «Das ist eine sehr gut organisierte Mannschaft, die taktisch variabel agiert. Sie spielen in verschiedenen Systemen», warnte Allofs.

OSC Lille liegt in der französischen Ligue 1 auf Platz drei und ist mit nur einer Niederlage in acht Spielen deutlich besser in die Saison gestartet als der VfL. «Das ist kein Emporkömmling, keine vorübergehende Erscheinung», sagte Allofs, der als Profi drei Jahre in Frankreich gespielt hat.

Auch wenn sich die Wolfsburger im Vorfeld intensiv mit dem Gegner beschäftigt haben, forderte Trainer Dieter Hecking: «Wir werden nicht so viel auf Lille schauen, wir wollen alles rausholen, Lille soll sich nach uns richten.»

Der Coach hofft, dass Sebastian Jung fit ist. Der Rechtsverteidiger wurde im Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen (2:1) wegen einer Muskelverletzung zur Halbzeit ausgewechselt. Für den wieder genesenen Christian Träsch, Wolfsburgs anderen Rechtsverteidiger, kommt der Europacup auf jeden Fall noch zu früh. Der ehemalige Nationalspieler hat sich in der Saisonvorbereitung verletzt und noch kein Spiel absolviert.

VfL Wolfsburg: Benaglio - Jung, Naldo, Knoche, Rodriguez - Guilavogui, Luiz Gustavo - Perisic, Arnold, De Bruyne - Olic (Bendtner)

OSC Lille: Enyeama - Corchia, Kjaer, Basa, Souaré - Balmont, Martin, Gueye - Lopes - Roux, Origi

Schiedsrichter: Ovidiu Haţegan (Rumänien)