Besorgnis über eskalierende Gewalt in Libyen

Der Ausbruch von Gewalt in Libyen mit Dutzenden Toten hat Besorgnis ausgelöst und ist von Washington, Berlin und der UN-Mission Unsmil scharf kritisiert worden.

Besorgnis über eskalierende Gewalt in Libyen
Sabri Elmhedwi Besorgnis über eskalierende Gewalt in Libyen

US-Außenminister John Kerry verurteilte die jüngste Eskalation und rief zum Dialog auf. «Libyer haben ihr Leben in der Revolution 2011 nicht riskiert, um eine Fortsetzung der Gewalt zu sehen», hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung. «Libyer haben gekämpft, um ein demokratisches System zu etablieren, in dem die Stimmen der libyschen Bevölkerung auf friedliche Weise Gehör finden.»

Die Libyen-Mission der Vereinten Nationen Unsmil verurteilte die Gewalt scharf und verlangte ein sofortiges Ende des Blutvergießens. Die Libyer sollten ihre Differenzen mit friedlichen Mitteln lösen, hieß es in einer Erklärung. Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich bestürzt über die jüngste Eskalation und erklärte: «Die Ereignisse sind ein ernstes Warnzeichen.» Er rief «Regierung, Parlament und alle politischen Kräfte nachdrücklich auf, sich für einen friedlichen und demokratischen Übergangsprozess in einem geeinten Libyen einzusetzen».

Nach dem Tod Dutzender Demonstranten am Freitag waren in Libyen am Samstag erneut Kämpfe zwischen rivalisierenden Milizen ausgebrochen. Bei den Kämpfen sei am Samstag ein Mensch getötet und acht weitere verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Lana.

Grund für die neue Gewalt waren die blutigen Zusammenstöße zwischen Bürgern in Tripolis und Milizionären aus Misrata am Vortag. Nach Angaben des Innenministeriums kamen mindestens 43 Menschen ums Leben, mehr als 460 wurden verletzt. Demonstranten waren nach dem Freitagsgebet zum Sitz der Miliz in der Hauptstadt gezogen. Sie wollten die Kampfbrigade vertreiben. Doch bewaffnete Kämpfer eröffnete das Feuer auf die Menschenmenge.

Wie die Agentur Lana ferner berichtete, gaben Politiker aus Misrata der Stadtverwaltung in Tripolis die Schuld an dem Blutbad. Die Behörden hätten die Demonstranten auf andere Plätze lenken sollen und nicht zulassen sollen, dass der Marsch zum Hauptquartier der Brigade geht, hieß es.

In Tripolis wurden derweil drei Tage Trauer ausgerufen. An einem Gedenken an die Toten nahmen im Zentrum der Stadt Hunderte Bürger teil.

Erst vor einer Woche hatten sich rivalisierende Milizionäre in Tripolis heftige Gefechte geliefert. Dabei war ein Mann getötet worden. Auslöser war damals ein Streit zwischen einem Milizionär aus Misrata und lokalen Milizen an einer Straßensperre. Viele «Revolutionsbrigaden», die im Kampf gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi stark wurden, wollen sich bis heute weder entwaffnen noch in den staatlichen Sicherheitsapparat eingliedern lassen. Im Oktober wurde Ministerpräsident Ali Seidan zeitweise von Bewaffneten entführt.