Best of Brisbane: The Apartments und Robert Forster

Es gibt wohl keine australische Popband, die so verehrt wird wie The Go-Betweens. Für Fans ihrer wunderbaren  Musik gibt es nun doppelten Grund zur Freude - dank neuer Alben von Robert Forster und Peter Milton Walsh alias The Apartments.

Best of Brisbane: The Apartments und Robert Forster
Stephen Booth Best of Brisbane: The Apartments und Robert Forster

Die Verbindung zwischen den beiden Singer-Songwritern liegt schon weit zurück und reicht doch, wie das bei Freunden so ist, bis in die Gegenwart. Walsh schloss sich in den 70er Jahren kurzzeitig den Go-Betweens um die beiden Frontmänner Robert Forster und Grant McLennan an, die sich später einen Ruf als die Lennon/McCartney des Postpunk-Pops der 80er erwarben.

Walsh war als Gitarren-Sidekick seiner beiden Kumpels aus Brisbane schnell unterfordert und gründete The Apartments - eine typische Kultband, die nach dem gefeierten Debüt «The Evening Visits...And Stays For Years» (1985; um Bonustracks erweiterte Wiederveröffentlichung 2015) gut zehn Jahre lang noch einige ähnlich gehaltvolle Platten veröffentlichte. Auch Forster und McLennan schwärmten von The Apartments, man blieb befreundet.

So hätte es für Walsh weitergehen können - mit der bescheidenen Karriere eines hervorragenden, aber sträflich übersehenen Songwriters, mit einem Faible für orchestral angehauchten, raffinierten Indiepop, den außer einigen Kennern kaum jemand kennt. Doch es kam noch schlimmer: Mitten in der Fertigstellung des fünften Apartments-Werks «Apart» (1997) erhielt Walsh die Nachricht, dass sein kleiner Sohn lebensgefährlich erkrankt sei.

Walsh betreute sein Kind, konnte den Tod des knapp vierjährigen Jungen aber nicht verhindern - und trauerte. Die Songs, die er in dieser schweren Zeit über seine Gefühle schrieb, wären um ein Haar nie veröffentlicht worden. Zum Glück kam es anders: «No Song No Spell No Madrigal» (Microcultures/Import) ist nach 18 Jahren ein Comeback, wie es erschütternder nicht sein könnte.

Angesichts der traumatischen Entstehungsgeschichte der acht Songs sei es «ein Wunder, dass das Album überhaupt existiert», sagte Walsh kürzlich dem britischen «Guardian». Diese Trauerlieder nie herauszubringen, hätte sich «irgendwie zu einer anderen Form von Tod ausgewachsen. Doch durch sie lebt mein Sohn weiter - wie hätte ich sie einfach wegwerfen können.» Man muss nur das verzweifelte «Twenty-One» hören, um dem Mann Recht zu geben: «There'll be no parties/There'll be no twenty-one» ...

Angefangen bei der stimmungsvollen Winter-Szene des klassisch designten Schwarz-Weiß-Covers, über die opulent streicher- und bläserverzierte Produktion sowie Walshs herben, intensiven Bariton-Gesang, bis zu den tief berührenden Texten - «No Song No Spell No Madrigal» ist ein perfektes Mitternachts-Album, für das man sich unbedingt Zeit und Muße nehmen sollte. Es erinnert an einige der Größten dieses sehr speziellen Sub-Genres: Scott Walker, Paul Buchanan/The Blue Nile, David Sylvian, Rufus Wainwright, Richard Hawley.

Nur in Frankreich haben The Apartments merkwürdigerweise schon lange eine größere Fangemeinde. Dort begann auch der Neustart mit vereinzelten Konzerten vor einigen Jahren, mit der 2015er Wiederveröffentlichung von «The Evening Visits...» und dem grandiosen neuen Album. Alle Apartments-Platten sind auch in Deutschland jetzt wieder ohne größere Probleme erhältlich. Man sollte die Chance nicht ein weiteres Mal verpassen.

Robert Forster hielt stets Kontakt zu Peter Milton Walsh und pries ihn als einen der besten australischen Songwriter. Er hatte selbst vor einigen Jahren musikalische Trauerarbeit geleistet, mit «The Evangelist» (2008), das er seinem 2006 gestorbenen Go-Betweens-Freund McLennan widmete. Nun kommt endlich ein neues Soloalbum des inzwischen 58-Jährigen auf den Markt.

Und «Songs To Play» (Tapete) ist sogleich wieder als typisches Forster-Werk erkennbar: Zehn meist knackig kurze, melodische, absolut zeitlose Indiepop-Lieder, weltklug-smarte Texte, wenig Produktions-Schnickschnack, und über allem die immer etwas spröde Stimme eimes der stilsichersten Singer-Songwriter unserer Zeit.

Mag auch die emotionale Wucht von Songs wie «A Poet Walks» oder «Turn On The Rain» zwangsläufig hinter der des alten Apartments-Kumpels Walsh zurückbleiben, so ist dies doch erneut eine Platte, die das lange Warten gelohnt hat. Freuen kann man sich nun auch auf mehrere Konzerte im Dezember - den hoch aufgeschossenen Downunder-Dandy Forster, der oft so wirkt wie eine Monty-Python-Figur, sollte man sich live nicht entgehen lassen.

Konzerte Robert Forster: 10.12. Köln, Gebäude 9; 11.12. Berlin, Monarch; 12.12. Hamburg, Knust; 14.12. Frankfurt/Main, Zoom; 15.12. Erlangen, E-Werk; 16.12. St. Gallen, Palace; 17.12. Schorndorf, Manufaktur; 19.12. Regensburg, Deggingerhaus; 20.12. Wien, Theater Akzent