Betonte Gelassenheit an einem ungewöhnlichen Fußballabend

So viel Kontrolle war selten im Hamburger Volksparkstadion. Sogar HSV-Idol Uwe Seeler wird gründlich durchsucht. Ähnlich scharfe Kontrollen gab es zuletzt bei der WM 2006.

Zuschauer, Journalisten, Ordner - jeder muss mindestens einmal eine Leibesvisitation über sich ergehen lassen. Aber kaum Gemurre, kaum Verwunderung. Als das Spiel angepfiffen werden soll, warten wegen Staus rund um den Volkspark noch tausende Fans vor den Toren, der Anpfiff muss um eine Viertelstunde verschoben werden.

Es ist an diesem Freitagabend das erste Spiel der Fußball-Bundesliga nach den blutigen Terroranschlägen von Paris und der Absage des Länderspiels in Hannover wegen Hinweisen auf einen Anschlag. Und das vor 57 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion. Zum Auftakt gleich zwei Gedenkminuten, eine für die Opfer von Paris und eine für den gestorbenen Kanzler und Hamburger Helmut Schmidt.

«Nö, kein mulmiges Gefühl», sagt der Ordner Kevin Hirsch. Der 23-Jährige arbeitet seit diesem Jahr als Ordner. Die müssen die Ankommenden durchsuchen. «Eigentlich ist das ein Spiel wie jedes andere.» Seine Kollegen, die rauchend zusammenstehen, nicken zustimmend, eine gewisse Anspannung ist jetzt, zwei Stunden vor dem Spiel, aber spürbar.

Gerold ist als Ordner schon ein alter Hase. Seit sieben Jahren macht er den Job. Auch der 51-Jährige, der hier am Tor steht und die eintreffenden Ordner im Nieselregen kontrolliert, gibt sich gelassen. 600 Ordner sind an diesem Abend im Einsatz, sonst sind es 450. «Alles gut», sagt er und wundert sich aber: «Das ist sonst auch nicht, dass hier Ordner Ordner kontrollieren. Ich kenn' die doch alle.»

HSV-Fan Alexander Fensch war beim abgesagten Länderspiel in Hannover. «Wir wussten alle, dass es kein normales Fußballspiel wird und heute fühlt es sich ähnlich an», sagt er. Angst vor Terroranschlägen hat er aber trotzdem nicht. «Jetzt erst recht», ist sein Motto.

«Hannover ist nicht weit weg, klar macht man sich da seine Gedanken. Wenn das Spiel mittags wäre und eines von vielen an diesem Tag, dann würde man sich schon etwas sicherer fühlen», findet Tina Marc.

«Ich habe schon ein mulmiges Gefühl, aber ich habe auch die Hoffnung, dass alles gut wird», sagt HSV-Fan Uwe Karl kurz vor dem Einlass in die Arena. Auch das Ehepaar Elke und Thomas Frey-Bergeest ist zuversichtlich: «Wir haben keine Angst.»

Seit der Rucksack-Affäre um Sportdirektor Peter Knäbel im Sommer gilt bei den Norddeutschen verstärkte Aufmerksamkeit. Weil vertrauliche Unterlagen zu Spielern aus seinem Auto gestohlen worden sein sollen, riegelt der Verein den engsten Bereich um das Stadion und die Parkplätze der Profis sowie Angestellten seit Wochen hermetisch ab. Ohne Ordner-Kontrolle darf kein Unbefugter die Geschäftsstelle betreten.

Am vergangenen Dienstag war Gerold als Ordner im Stadion in Hannover, als das Länderspiel gegen die Niederlande plötzlich abgesagt wurde. «Das war schon ungewohnt, so ein ganzes Stadion zu räumen. Aber das lief alles ganz ruhig.» Absolute Sicherheit gebe es nicht, sagt er, während ein Sanitäterwagen die Sperre passiert. «Den kontrolliert keiner», bemerkt er und zuckt mit den Schultern.