Betrugsprozess um «Waldjungen Ray» ohne Strafe eingestellt

Der einst geheimnisvolle «Waldjunge Ray» wird nicht bestraft. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten stellte am Donnerstag nach kurzer Verhandlung hinter verschlossenen Türen den Betrugsprozess gegen den 21-Jährigen ein.

Wie Gerichtssprecher Tobias Kaehne weiter mitteilte, muss der in Deutschland lebende Niederländer aber 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und zu Beratungsgesprächen gehen. «Es gibt persönliche Probleme», sagte Kaehne. Auch die Staatsanwaltschaft befürwortete die Einstellung des Prozesses.

Die abenteuerliche Geschichte des Unbekannten hatte riesiges Interesse hervorgerufen und Ermittlern Kopfzerbrechen bereitet. Er heiße Ray, sei 17 Jahre alt und erinnere sich nicht an mehr - damit war der Blonde im September 2011 in Berlin wie aus dem Nichts aufgetaucht. Er habe teilweise im Wald gelebt, seine Eltern seien gestorben. «Ray» wurde neun Monate in einer Jugendhilfeeinrichtung betreut, verpflegt, er bekam Kleidung, Taschengeld, Deutsch-Unterricht und einen Vormund.

Erst im Juni 2012 stellte sich heraus, dass Ray in Wirklichkeit Robin aus dem niederländischen Hengelo ist. Zudem war er schon erwachsen, als er in Berlin ankam. Der Jugendliche wurde in Medien auch «Kaspar Hauser von Berlin» genannt - in Anspielung auf ein Nürnberger Findelkind aus dem 19. Jahrhundert. Als ein Foto im niederländischen Fernsehen gezeigt wurde, flog die Geschichte auf.

In dem Jugendstrafverfahren war «Ray» vorgeworfen worden, Sozialleistungen von knapp 30 000 Euro in der deutschen Hauptstadt erschlichen zu haben. Der Gerichtssprecher sagte zur Einstellung des Prozesses, dem Steuerzahler sei nur ein geringer Schaden entstanden. Hätte sich der Unbekannte als erwachsen und obdachlos gemeldet, hätten ihm Leistungen in ähnlicher Höhe zugestanden.

Laut Gerichtssprecher räumte der 21-Jährige die Vorwürfe ein. Er sei damals obdachlos gewesen und habe Unterstützung haben wollen, sagte Kaehne zum Motiv des Mannes. Das Gericht habe ihm eine positive Entwicklung bescheinigt, er lebe inzwischen in normalen Verhältnissen. In den Beratungen solle «die ganze Sache aufgearbeitet» werden, so Sprecher Kaehne.