Böhmermann treibt weiter Schabernack und generiert Klicks

Jan Böhmermann (34) hat in seiner Sendung «Neo Magazin Royale» die neue Verwirrung um das Stinkefinger-Video des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis weidlich ausgekostet.

«Wenn ich gerade irgend'n geschmacklosen Scherz über Natascha Kampusch gemacht haben sollte: das war doctored, das war ein Fake», sagte der Moderator am Donnerstagabend. «Dieser Witz hat nie stattgefunden. Spulen Sie zurück, Sie werden diesen Witz nicht entdecken.»

Der ZDF-Entertainer hatte zuvor große Aufregung verursacht, indem er zunächst behauptet hatte, er habe das Stinkefinger-Video gefälscht. Den 2013 aufgenommenen Film, der Varoufakis vor seiner Ministerzeit auf einem Kongress mit ausgestrecktem Mittelfinger zeigt, hatte Günther Jauch in seinem ARD-Talk am Sonntag gezeigt und Varoufakis zur Behauptung gebracht, es handele sich um eine Fälschung, der Mittelfinger sei montiert worden.

Stunden nach Böhmermanns Behauptung, er habe Hand am Mittelfinger des heutigen Ministers angelegt, stellte das ZDF dann klar: Die Behauptung war nur eine Satire-Aktion. Böhmermann hatte das Video mit dem Griechen nicht manipuliert, obwohl ein Internet-Clip zu seinem «Neo Magazin Royale» genau dies aufwendig vorgaukelte.

Fest steht: Der Entertainer hat von seinem Schabernack profitiert. Im Fernsehen sahen seinen Beitrag am späten Donnerstag 240 000 Menschen - der ZDFneo-Marktanteil betrug 1,1 Prozent. Besser noch: Bis Freitagmittag generierte er mit dem Einspieler im Netz rund zwei Millionen Klicks, für einen einzelnen Menschen beachtlich und für eine einzelne Karriere ein großer Schritt nach vorne.

Rückendeckung erhielt der witzelnde Böhmermann von ehrenwerter Seite: Die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach, verteidigte das Böhmermanns Verwirrspiel um das Varoufakis-Video. «Satire darf das», sagte Gerlach am Freitag im Deutschlandfunk. «Insofern kann ich nicht sagen, er ist zu weit gegangen.» Der ZDF-Entertainer habe gezeigt, welche Möglichkeiten der Manipulation es gebe. Außerdem habe er Moderator Günther Jauch einen Spiegel vorgehalten.

Im Netz blieb «Varoufakefake» jedenfalls ein großes Thema. «Ich glaube, der
wird eine Ikone des deutschen Fernsehens werden», schrieb jemand bei Twitter. «Alle meinen jetzt, es gestern schon gewusst zu haben», stellte ein anderer fest. Und dann ein Vorschlag: «Für jeden Tweet zum
bekommen die Griechen 2 Euro.»

Mitunter wurde die Frage diskutiert, ob Böhmermann dieses Mal zu weit gegangen sei. Viele andere fanden, dass das ZDF die Satire zu früh als solche aufgelöst habe. «De Kölsche Jung» twitterte: «Ich habe übrigens das Fake-Bekenntnis des
gefaked.»