Biathletinnen bejubeln Staffelsieg - Herren auf Platz fünf

Die deutschen Biathletinnen haben beim Weltcup in Hochfilzen ihren männlichen Kollegen die Show gestohlen. Den als Außenseiterinnen gehandelten Damen gelang mit der Staffel der umjubelte erste Saisonsieg, die hoch gehandelten Herren mussten sich mit Platz fünf zufriedengeben.

Als Schlussläuferin Franziska Preuß unter dem tosenden Jubel der Fans im Ziel als Erste ihren Teamkolleginnen in die Arme fiel, hatte Bundestrainer Gerald Hönig Freudentränen in den Augen. Denn unerwartet setzten sich Luise Kummer, Franziska Hildebrand, Vanessa Hinz und Franziska Preuß durch und sendeten ein Achtungszeichen an die Konkurrenz. «Jedes Podium ist heute besonders viel wert, vor allem weil es vielleicht auch ein bisschen unerwartet kommt», sagte Hönig sichtlich bewegt.

Im ersten Staffelrennen des Winters überzeugte das junge Quartett mit nur acht Nachladern am Schießstand und einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Nach 4 x 6 Kilometern hatten die Deutschen mit den nervenstarken Debütantinnen Kummer und Hinz 21,1 Sekunden Vorsprung auf Weißrussland. «Das ist ein Zeichen, dass wir mannschaftlich stark sind, und das macht richtig Spaß», sagte Franziska Hildebrand.

Die erstmals als Schlussläuferin eingesetzte Franziska Preuß meinte: «Wir können sehr stolz auf uns sein, denn wir sind ein junges Team.» Zudem hat sie nun endgültig ihr Sotschi-Drama abgehakt. Da war sie als Startläuferin gestürzt und hatte anschließend beim Schießen eine Strafrunde kassiert. Nach dem bislang letzten Weltcupsieg vor einem Jahr in Annecy waren die mitfavorisierten Deutschen bei den Olympischen Winterspielen im Februar mit Platz elf abgestürzt und hatten erstmals keine Olympia-Medaillen geholt. «Nachfragen nach Sotschi nerven langsam. Ich habe das Thema abgehakt», sagte Preuß selbstbewusst.

Dass das Hönig-Team gleich im ersten Mannschaftswettbewerb der Saison den ersten Sieg einfährt, hätten wohl nur die wenigsten erwartet. Denn nach dem Karriereende von Andrea Henkel, dem Dopingskandal und Rücktritt von Evi Sachenbacher-Stehle ist das einst siegverwöhnte deutsche Frauen-Team mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren im Umbruch und so jung wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Aber bereits im Sprint hatten die Hönig-Schützlinge mit drei Läuferinnen unter den Top Ten ihr Potenzial aufblitzen lassen.

«Wenn die neue Saison mit dem von uns dokumentierten Neuaufbau so anfängt und im Hinterkopf noch die Olympia-Staffel stecken geblieben ist, dann macht das heute besonders Spaß», bekannte Hönig.

Auch die Herren, die in Sotschi auf den Silberrang gelaufen waren, wollten angreifen. Aber Erik Lesser, Andreas Birnbacher, Daniel Böhm und Simon Schempp hatten von Anfang an Rückstand auf die Top-Plätze, vor allem weil es am Schießstand mit neun Nachladern nicht perfekt klappte. Zwar schafften die Vier insgesamt die beste Laufzeit, aber beim Schießen brauchten sie mehr als eine Minute länger als die siegreichen Russen. «Die Bedingungen waren eigentlich sehr gut, aber neun Nachlader waren eindeutig zu viel», resümierte Schempp, der im Schlussspurt noch den Österreicher Dominik Landertinger an sich vorbeiziehen lassen musste.