Biathlon-Coach: Kein flächendeckendes Doping in Russland

Der frühere russische Frauentrainer Wolfgang Pichler hat systematisches Doping bei den russischen Biathleten ausgeschlossen.

Biathlon-Coach: Kein flächendeckendes Doping in Russland
Kay Nietfeld Biathlon-Coach: Kein flächendeckendes Doping in Russland

«Es wird immer schwarze Schafe geben. Aber alle, das ist Schmarrn», sagte der Ruhpoldinger der Deutschen Presse-Agentur nach den Doping- und Betrugsvorwürfen, die in der ARD-Dokumentation «Geheimsache Doping» gegen das russische Sportsystem erhoben wurden. Zugleich hält er es aber für vorstellbar, dass im Zuge der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Sotschi im Auftrag des Sportministeriums am Verband vorbei eine Gruppe von Athleten aufgebaut wurde, «die gezielt für die Heimspiele an den anderen vorbei vorbereitet wurde».

Pichler hatte in der vergangenen Saison Olga Saizewa, Jekaterina Glasyrina, Swetlana Slepzowa, Jana Romanowa und Jekaterina Schumilowa betreut. «Für diese Athletinnen lege ich meine Hand ins Feuer», sagte Pichler. Zugleich wurde aber eine Konkurrenzgruppe aufgemacht, aus der die letzten beiden EPO-Dopingsünderinnen Jekaterina Jurjewa als Wiederholungstäterin und Olga Starych erwischt und gesperrt wurden. Auch Nachwuchshoffnung Alexander Loginow wurde positiv getestet.

«Wir hatten immer das Gefühl, das irgendwas läuft. Ich glaube, dass das vom Sportministerium am Verband vorbei gesteuert wurde. Die haben das ziemlich gezielt mit ein paar Athleten probiert», erklärte Pichler, der sich seit Jahren vehement gegen Doping engagiert. Russland habe nach den schwachen Leistungen bei den Olympischen Spielen 2010 unter massivem Druck gestanden, zumal in dem Riesenreich Biathlon eine der wichtigsten Sportarten ist.

«Die hatten in Sotschi Angst, dass sie keine Medaillen holen. Aber ich bin überzeugt, dass andere Trainer nichts gewusst haben, zumal die frühere russische Verbandsführung gegen Doping gekämpft hat», erklärte der jetzt wieder fürs schwedische Team arbeitende Pichler und ergänzte: «Das kann nur von ganz oben gekommen sein. Denn sonst wären nach den Dopingfällen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden und das ist nicht passiert.»

Zudem sei das russische Sportsystem «dopinganfällig. Denn bei Olympia bekommt der Heimtrainer von der Siegprämie von 500 000 Euro die Hälfte und so weiter. Selbst der Jugendtrainer hat Geld bekommen. Und Russland ist so riesig, da kannst du nicht alles kontrollieren. Zudem kämpft jeder gegen jeden, Regionen gegen Regionen. Da wirst du Doping nie ausrotten können», sagte Pichler, der den Biathlon-Sport insgesamt für «zu 90 Prozent» sauber hält.