Biedermann als Drittschnellster ins Halbfinale

Schnell im Becken, schnell aus der Interview-Zone - nach einem starken WM-Vorlauf und einem Medienauftritt à la Klaus Augenthaler nahm Paul Biedermann ohne große Schwafelei die nächsten Aufgaben ins Visier.

Biedermann als Drittschnellster ins Halbfinale
Martin Schutt Biedermann als Drittschnellster ins Halbfinale

«Ich stelle die Fragen. Wie war das Rennen? Das Rennen war okay, wir waren in den ersten von den drei Vorläufen, wir mussten ein bisschen schneller schwimmen. Ich denke, da gab's jetzt gar nichts dran vorbei zu schütteln», erklärte der 28-Jährige am Montagmorgen mit breiter Brust bei der Schwimm-WM in Kasan. «Ich wusste, dass der Brite sehr stark ist, er hat gestern tolle 400 Kraul hingelegt, jetzt wird es umso spannender im Semifinale, und da freue ich mich jetzt drauf.»

Nach dem problemlosen Halbfinal-Einzug als Drittbester hinter 400-Meter-Weltmeister Sun Yang (China/1:46,00 Minuten) und dem Briten James Guy (1:46,10) legte Biedermann auch Frage zwei gleich selbst nach. «Wie hat sich das Wasser angefühlt? Immer noch nass, aber schon etwas besser. Ich brauche immer einen Wettkampf, um reinzukommen, und das waren diese 100 Kraul gestern, und jetzt hoffe ich auf ein gutes Semifinale», sagte der Weltrekordler nach seinen 1:46,20 Minuten. Nach der Antwort auf eine Journalistenfrage war Biedermann dann nach insgesamt 47 Sekunden wieder verschwunden.

Zum Vergleich: Augenthaler hatte bei einer legendären Pressekonferenz als Trainer des VfL Wolfsburg im Mai 2007 42 Sekunden gebraucht. Vier Fragen stellte er sich selbst und schob sogleich die kurzen Antworten hinterher. Ihm selbst war damals aber nicht zum Lachen zumute. Wenige Tage später trennten sich Club und Coach voneinander.

Dagegen will Biedermann die Bühne seiner voraussichtlich letzten Weltmeisterschaft mit dem «bestmöglichen Rennen» zufrieden verlassen. Gemessen am ersten Vorlauf-Eindruck kämpft Biedermann bei den Finals am Dienstag um WM-Gold - wenn er denn das Halbfinale am Montagnachmittag ebenso souverän meistert.

Abseits der Interviewzone schaute der Weltjahresbeste über die 200 Meter wiederholt auf die große Videotafel unter dem Arena-Dach. «Sehr stark, auch sehr interessant», fand Biedermann die Auftritte der internationalen Konkurrenz, «dass ein Ryan Lochte mitschwimmt, dass ein Danila Isotow mitschwimmt, auf diese Vorberichtserstattung ist leider nicht sehr viel zu geben.»

Wenig war auch auf die Aussagekraft seiner 100-Meter-Zeit zu geben. 49,23 Sekunden hatte Biedermann am Sonntag als Staffel-Schlussschwimmer beim gelösten Olympia-Ticket über 4 x 100 Meter hingelegt und einen Tag später stark nachgelegt. Fast wie bei den deutschen Meisterschaften im April: Am Tag nach seinen 49,24 Sekunden über 100 Meter war er mit der 200-Meter-Weltjahresbestzeit von 1:45,60 Minuten aus dem Wasser geklettert. Und in Kasan muss Biedermann auch noch einmal schneller als im Vorlauf sein.